Verlorene Orte, auch sogenannte „Lost Places“, üben eine faszinierende Anziehungskraft an. In München findet ihr so einige davon, wie das Floriansmühlbad oder das Geisterdorf Frötmanning. Geisterdorf ist ein gutes Stichwort, denn von diesen gibt es gleich mehrere in Bayern. Manche von ihnen wurden aufgrund von Epidemien geräumt, andere mussten wiederum Bauprojekten weichen. In vielen Fällen blieb nur die Kirche; so auch im Fall St. Clemens bei Freising, die ehemals zu Oberberghausen gehörte.
Die Kirche im Weltwald

St. Clemens bildete das Zentrums eines Weilers, der gerade einmal aus vier Bauernhöfen bestand. Schon im 6. Jahrhundert soll ihr eine kleine Kapelle aus Holz gestanden haben, an deren Stelle man später die romanische St.-Clemens-Kirche errichtete. Sie war ein Geschenk an den Benediktinerstift Weihenstephan in Freising und diente den Höfen Mair, Ochsenhans, Kellhame, und Mesner als Dorfkirche. Jeder dieser Höfe bestand aus drei bis vier Gebäuden und das gesamte Oberberghausen erstreckte sich über eine Fläche von 85 Hektar.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kam dann die Idee auf, eine Weidenkultur im Kranzberger Forst anzulegen. Oberberghausen musste weichen und aus dem einstigen Bauerndorf wurde eine Wüstung. Einzig St. Clemens durfte bleiben. Der Weidengarten konnte jedoch nicht den wirtschaftlichen Erfolg bringen, den man sich erhofft hatte, weshalb aus ihm das Bayerische Landesarboretum hervorging. Dieses wiederum öffnete 2011 als Weltwald seine Pforten für die Öffentlichkeit. Die Kirche St. Clemens sowie deren Friedhof befinden sich in mitten im Zentrum, umgeben von exotischen wie heimischen Bäumen aus Asien, Nordamerika und Euopa.
Gottesdienste und Trauungen in der Waldkirche St. Clemens

Auch wenn Oberberghausen nicht mehr existiert und St. Clemes somit zu keinem Dorf mehr gehört, so wird die Kirche heute trotzdem noch aktiv genutzt. Vereinzelt finden in ihr noch Gottesdienste statt, z. B. zu Ostern oder Pfingsten. Wenn ihr gerne mit romantischer Waldkulisse heiraten wollt, dann könnt ihr euch in St. Clemens trauen lassen. Der Weltwald mit seinen Pavillons und dem Rosengarten bietet viele schöne Spots für tolle Hochzeitsfotos. Ihr könnt die Kirche und den Friedhof mit den schmiedeisernen Kreuzen aber natürlich auch einfach so besuchen.
St. Clemens ist zwar eigentlich eine romanische Kirsche, erhielt im 18. Jahrhundert aber eine barocke Überformung, aus welcher Zeit auch ihr Inventar stammt. Links und rechts vom Hochaltar befinden sich kunstvolle Figuren, die dank Kaschiertechnik aussehen wie geschnitzt. Außen auf dem Friedhof findet ihr insgesamt 28 Gräber, die die Kirche säumen. Hier stehen auch mehrere Bänke, auf denen ihr euch niederlassen und die Ruhe des Orts genießen könnt. Wenn ihr nicht genug von Waldkirchen ehemaliger Geisterdörfer bekommen könnt, solltet ihr bei Gelegenheit einmal bei der St.-Ulrichs-Kapelle im Würmtal vorbeischauen.