Liebhaber des kühlen Nass‘ kommen in München in jeder Hinsicht voll auf ihre Kosten, sei es in einem der Seen, der Isar oder dem Eisbach. Daneben bietet die Stadt zahllose Frei- und Hallenbäder, in denen ihr euch bei jedem Wetter austoben könnt. Wer eine historische Erfahrung machen möchte, besucht das Müller’sche Volksbad, welches nicht nur das älteste Hallenbad der Stadt ist, sondern sogar mehrmals als Filmkulisse diente. Jedoch gab es in der Vergangenheit noch ein anderes Schwimmbad in München, an dem ein absoluter Klassiker gedreht wurde. Heute ist es in Lost Place, von dem nur noch wenige Überreste zeugen.
Das Schwimmbad eines Olympioniken
Karl Kaltenbach trat 1906 bei den Olympischen Zwischenspielen in Athen als Leichtathlet an und konnte gemeinsam mit seinem Team die Goldmedaille im Tauziehen gewinnen. Der gebürtige Münchner lebte gemeinsam mit seiner Frau in der Floriansmühle in Schwabing-Freimann am Rande des Mühlbachs. 1932 gründete das Paar hier das gleichnamige Familienbad „Floriansmühle“. Schnell avancierte es zu einem beliebten Treffpunkt im Sommer, um sich im Mühlbach oder einem der Schwimmbecken abzukühlen. Der Bach erreichte nie mehr als 21°C und war dementsprechend nur für Hartgesottene, die sich in im treiben ließen.
Später übernahm Kaltenbachs Tochter Anna mit ihrem Mann Artur Doppelhamer das Freibad, das besonders an heißen Tagen gut besucht war. Dann musste auch ihr Sohn Claus mit anpacken, der heute noch neben dem Gelände des verlassenen Bads wohnt. So half er an der Kasse oder verkaufte er beispielsweise Würstchen und selbstgemachten Apfelstrudel am Kiosk an die zahlenden Gäste. Und was für Gäste das Floriansmühlbad besuchten! Aufgrund seiner Nähe zum BR-Studio Freimann war regelmäßig die Schwabinger Prominenz hier anzutreffen und sogar einige Szenen der „Unendlichen Geschichte“ entstanden im Naturbad.
Doch trotz der Beliebtheit konnte sich das Floriansmühlbad auf Dauer nicht halten und so verkaufte Familie Doppelhamer an die HypoVereinsbank, die seither keinen Abnehmer finden konnte. 1994 war schließlich endgültig Schluss im Floriansmühlbad und München verlor eines seiner Naturschwimmbäder.
Neue Pläne für das Floriansmühlbad
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Das Floriansmühlbad wurde nach dessen Schließung sich selbst überlassen. Im Laufe der Jahrzehnte entstand ein kleines Wäldchen und Pflanzen wuchern in den ehemaligen Schwimmbecken. Die Leitern und die Schilder sind noch vorhanden und rosten vor sich hin. Auch das Kassenhäuschen, die Duschen und die Umkleiden stehen noch. Das Gelände ist für die Öffentlichkeit unzugänglich.
Über 30 Jahre ist das Floriansmühlbad schon ein Lost Place, doch das soll sich ändern. In Zukunft könnten hier bis zu 600 Wohnungen und ein Park entstehen. Auch KiTas, eine Sporthalle und ein Biergarten sind denkbar inmitten des neuen Quartiers, sodass der Mühlbach wieder zu einem attraktiven Ort mit Naherholungscharakter werden könnte. Ein Weg soll entlang des Bachs entstehen, sodass man zumindest wieder seine Füße im Wasser baumeln lassen kann. Ob und wann diese Pläne jedoch umgesetzt werden, steht noch nicht sicher fest.