München selbst hat zwar kein eigenes Weltkulturerbe, doch ihr müsst nicht weit fahren, um welche bestaunen zu können. Ganze 14 Stück beheimatet Bayern, wie die Regensburger Altstadt oder das Augsburger Wassermanagementsystem. Aber auch abseits der Großstädte findet ihr UNESCO-Perlen, die nur darauf warten, von euch entdeckt zu werden. Eine davon liegt seit mehr als 270 Jahren in einem kleinen Erholungsort im Pfaffenwinkel an der Grenze zum Allgäu.
Bezaubernde Rokokokirche

Steingaden sagt den meisten von euch vermutlich nichts. Dieser staatlich anerkannte Erholungsort liegt ca. 90 Autominuten von München entfernt und hat nicht einmal ganz 3.000 Einwohner. In diesem Dorf liegt die Wieskirche im gleichnamigen Ortsteil Wies. Sie entstand zwischen 1746 und 1754 infolge einer Wallfahrt, in deren Zuge die Statue des Gegeißelten Heilands im ortsansässigen Kloster verehrt wurde. Später ging diese Statue in den Besitz eines Bauers über, deren Frau glaubte Tränen in den Augen des Heilands zu bemerken. Das war die Geburtsstunde der Wallfahrt, die den Segen der Kirche erhielt.
Die Wieskirche trägt daher den offiziellen Namen Wallfahrtskirche zum Gegeißelten Heiland auf der Wies und gilt als das Hauptwerk der Gebrüder Johann Baptist und Dominikus Zimmermann aus Wessobrunn. Sie bauten die Kirche im Rokokostil und schufen ein wahres Kunstwerk. Das hatte auch seinen Preis: Der Baupreis war ursprünglich auf 39.000 Gulden veranschlagt, doch überstieg in letztlich ein Vielfaches mit 180.000 Gulden.
Dafür darf Steingaden heute eine prächtige Rokokokirche sein eigen nennen, die die UNESCO 1983 als Weltkulturerbe anerkannte. Sie ist reich mit Stuck und Simsen verziert, verfügt über mehrere imposante Altäre und detailverliebte Gemälde. Von außen ist sie weiß und rosa, im Inneren kunterbunt mit reichen Goldverzierungen. In der Wieskirche finden regelmäßig Konzerte statt, die ihr besuchen könnt.
Weitere Architekturperlen in Steingaden

Neben der Wieskirche verbergen sich noch weitere wunderschöne Bauwerke in Steingaden. DAs Welfenmünster wirkt auf den ersten Blick unscheinbarer als die Wieskirche, ist von innen aber ebenso reich verziert und bemalt. Die romanische Basilika ist Teil des Klosters Steingaden und erfuhr eine Barockisierung im 17. und 18. Jahrhundert. Gemeinsam mit der Wieskirche gilt das Welfenmünster als eine der bedeutsamsten Sehenswürdigkeiten des gesamten Pfaffenwinkels.
Darüber hinaus verfügt Steingaden über zwei weitere Wallfahrtskirchen, in denen ihr ebenfalls schnörkeligen Stuck und detaillierte Bemalungen betrachten könnt. Außerdem findet ihr bei der Wieskirche das Wallfahrtsmuseum, das euch mehr über die Bruderschaft des Gegeißelten Heilands und die Wallfahrt in Steingaden beibringt. Mehr zur Kirchengeschichte allgemein erfahrt ihr im Klostermuseum im Pfarrhof. Sehnt ihr euch nach all den Kirchen nach etwas Natur zur Abwechslung, so könnt ihr einen Abstecher am Oberen Lindegger See machen. Dieser liegt ca. einen Kilometer von der Wieskirche entfernt in einem beliebten Wandergebiet und schmiegt sich malerisch in die grüne Landschaft ein.