In München und Umgebung gibt es zahlreiche beeindruckende Sakralbauten, die euch architektonisch durch die verschiedensten Epochen der Kunstgeschichte reisen lassen: Von Rokoko über Gotik bis hin zum romanischen Stil ist alles vertreten. Byzantinischen Bauwerken begegnet ihr hingegen eher selten, doch es gibt sie. Und ihr müsst gar nicht weit reisen, um eines mit eigenen Augen sehen zu können. Am Rande des Starnberger Sees liegt die Votivkapelle von Berg, die Prinzregent Luitpold zum Gedenken an seinen verstorbenen Neffen Ludwig II. errichten ließ.
Rätselhafter Tod

Bis heute ranken sich viele Gerüchte um den Tod von König Ludwig II. und die genauen Umstände sind bis heute unklar. Körperlich baute er bereits Jahre vorher ab und auch psychisch soll es ihm nicht gut gegangen sein. Man diagnostizierte ihn als wahnsinnig, nicht zuletzt auch, um ihn zu entmündigen und abdanken zu lassen. Am 12. Juni 1886 brachte man ihn schließlich nach Berg an den Starnberger See, wo man sein Schloss in eine private Nervenheilanstalt umgewandelt hatte. Am darauffolgenden Tag verließen Ludwig und sein Arzt Dr. Bernhard von Gudden gemeinsam gegen 18:45 Uhr das Haus. Als sie um 20 Uhr trotz strömenden Regens immer noch nicht zurück waren, begann man sie zu suchen und fand beide Körper leblos treibend am Ufer des Starnberger Sees.
Wie es zu den beiden Todesfällen kam, weiß man bis heute nicht. Ludwig wies keinerlei Verletzungen auf, wohingegen von Gudden Kratzer und einen blauen Fleck davon trug. An der Stelle, wo man des Königs Leiche im Wasser fand, steht heute ein Kreuz im Starnberger See. Ein paar Meter weiter den Hang hinauf ragt die eindrucksvolle Votivkapelle zwischen den Bäumen hervor. Ludwigs Onkel, Prinzregent Luitpold, ließ diese zu seinem Gedenken 10 Jahre nach dem Todestag errichten. Er beauftragte hierfür dieselben Künstler, die schon an Schloss Neuschwanstein beteiligt waren. Die Votivkapelle konnte schließlich am 13. Juni 1900 auf geweiht werden und ist dem heiligen Ludwig IX. auf Frankreich gewidmet.
Kunstvolle Votivkapelle

Die Votivkapelle mischt byzantinische mit romanischen Elementen und steht auf einem hohen Betonsockel. Es handelt sich um einen im oberen Teil achteckigen Kuppelbau mit Zeltdach. Von Außen misst sie stattliche 32 Meter, im Inneren 22 Meter. Vor der Kapelle steht eine Totenleuchte, die Ludwigs Mutter aufstellen ließ. Im Innenraum entdeckt ihr an den Wänden und Decken detaillierte Fresken von Alfred Spieß. Neben der Mutter Maria entdeckt ihr hier entlang des Achtecks die acht Patrone der bayerischen Bistümer. Auch der Heilige Ludwig und der Erzengel Michael sind hier verewigt.
Wenn ihr die Votivkapelle selbst entdecken wollt, dann habt ihr es von München nicht weit. Mit dem Auto benötigt ihr je nach Verkehr 35 bis 45 Minuten, mit dem ÖPNV etwa eine Stunde. Von 01. April bis 31. Oktober öffnet sie dienstags bis sonntags von 09 bis 18 Uhr ihre Pforten für euch. Ihr könnt die Votivkapelle jedoch nicht vollständig betreten, sondern nur bis an das Schutzgitter herantreten. Trotzdem erlaubt euch dies einen guten Blick ins Innere. Und auch von Außen ist der imposante Bau mehr als beeindruckend. Habt ihr nach eurem Abstecher bei der Votivkapelle noch etwas Lust auf Natur, dann empfiehlt sich ein Spaziergang durch die Maisinger Schlucht, die ihr ebenfalls am Starnberger See findet.