München ist eine von gerade einmal vier Städten in Deutschland mit einem richtigen U-Bahn-System. Als wäre das für sich nicht schon besonders genug, zeichnen sich Münchens U-Bahnstationen durch ihre einzigartige Architektur aus. Jede sieht anders aus und weist ihre eigenen architektonischen Besonderheiten auf. Der U-Bahnhof Marienplatz ist nicht nur der am stärksten frequentierte der Stadt, sondern mit seinem orangen Design auch einer der markantesten. Das ist seine Geschichte.
Münchens wichtigster Umsteigebahnhof

Die Station Marienplatz liegt im Herzen von München und ermöglicht euch das Umsteigen zwischen allen S-Bahnlinien auf der Stammstrecke und den Linien U3 und U6. Der gesamte Bahnhof verteilt sich auf vier Tiefebenen. Zuoberst befindet sich das Zwischen- oder Sperrengeschoss, in welchem sich Geschäfte und Verkaufsstände befinden. Darunter liegen die beiden S-Bahngleise, die sich anders als sonst üblich nicht nebeneinander, sondern übereinander befinden. Und ganz unten, auf der tiefsten Ebene, findet ihr den U-Bahnhof Marienplatz.
Dieser entstand in den 1960er Jahren als einer der ersten Münchner U-Bahnhöfe und feierte 1971 Eröffnung, ein Jahr vor den Olympischen Spielen. Die meisten anderen Bahnhöfe entlang der U6 stammen von Paolo Nestler; für die Gestaltung des Marienplatzes zeichnete sich jedoch der Münchner Architekt Alexander Freiherr von Branca verantwortlich. Er realisierte später auch andere U-Bahnstationen und Gebäude in München, wie das Residenztheater oder den Halt an der Theresienwiese.
Den anderen Architekten sieht man der Station an, fällt sie optisch doch aus Nestlers Raster. Die kräftigen orangefarbenen Paneele an den Wänden leuchten euch direkt entgegen; die weißen Decken reflektieren das Licht und verstärken den strahlenden Effekt noch. Dem entgegen steht das Blau der Fliesen beim Rolltreppenaufgang zum Marienplatz, die dank der Komplementärfarbe einen starken Kontrast bilden. Die Spiegel an den Wänden kamen später im Zuge der Umbauarbeiten zur WM 2006 hinzu. Sie sollen die Stützpfeiler weniger mächtig aussehen lassen. Zu dieser Zeit entstanden auch die charakteristischen Fußgängertunnel, um den Massen während der Weltmeisterschaft Herr werden zu können.
Das „neue“ Sperrengeschoss

Vom U-Bahnhof Marienplatz in 23 Metern Tiefe gelangt ihr direkt über die Rolltreppe ins Zwischengeschoss, ohne auf den S-bahn-Ebenen Halt machen zu müssen. Von 2012 bis 2015 erhielt dieses Sperrengeschoss im Zuge einer Sanierung seinen heutigen Look. Die Verkaufsstände wanderten an den Rand und die Decken bekamen eine neue Verkleidung. Seither erstrahlen sie in rot, die Beleuchtung erfolgt ausschließlich mit LEDs. Das Lichtkonzept setzte Ingo Maurer um, der sich ebenfalls für die Münchner Freiheit und den Westfriedhof verantwortlich zeichnete. Ziel war es, den Untergrund möglichst hell und freundlich zu gestalten, ohne die Essenz der Station anzutasten.
Der U-Bahnhof Marienplatz gehört zu den ältesten Münchens und ist zugleich auch einer der auffälligsten. Sein einzigartiges Aussehen unterstreicht die Wichtigkeit des darüberliegenden Platzes und macht in nicht nur in ganz Deutschland, sondern sogar in ganz Europa bekannt. Trotz mehrerer Umbauten und Sanierungen blieb sein Design über die Jahrzehnte fast unangetastet und entspricht nach wie vor den Entwürfen von Branca. Derzeit befindet sich ein weiterer S-Bahnhof im Untergrund des Marienplatzes im Bau, der die zweite Stammstrecke bedienen wird. Ihr könnt gespannt bleiben, wie sich dessen Design in das bisherige integrieren wird.