Wer in München unterwegs ist, kommt um die U-Bahn kaum herum. Die Stadt durchzieht ein unterirdisches Streckennetz, das Einheimische wie Besucher:innen zuverlässig ans Ziel bringt. Einige der unterirdischen Stationen sind schon so alt, dass sie auf besondere Geschichten zurückblicken. Am Marienplatz floss beispielsweise mal ein Fluss, die Station Westfriedhof war nur ein glücklicher Zufall. Eine besonders dunkle Vergangenheit hat der U-Bahnhof Goetheplatz.
Er wurde – wenig überraschend – nach dem weltbekannten deutschen Dichter Johann Wolfgang von Goethe benannt. Aber Goethe war nicht die einzige bekannte Person, die eine wesentliche Rolle bei diesem U-Bahnhof spielte. Tatsächlich ist ein Teil genau dieses U-Bahntunnels mit niemand anderem als Adolf Hitler verbunden. Der Goetheplatz hat eine historische Bedeutung, von der nur die wenigsten wissen.
Von wegen U-Bahn: Hier lag ein Luftschutzkeller unter München

Der Bahnhof wurde am 19. Oktober 1971 eröffnet. Aber die Planungen und ersten Bauarbeiten zum Goetheplatz starteten bereits 1938 – unter der dem Nationalsozialisten Adolf Hitler. Der Bau eines 580 Meter langen Tunnelabschnitts unter der Lindwurmstraße – der auch den Bereich des heutigen Goetheplatzes umfasst – wurde vor dem Krieg begonnen. Das NS-Regime wollte die „Hauptstadt der Bewegung“ aufrüsten.
Besonders weit kamen es damit allerdings nicht. Im Juli 1941 wurden die Bauarbeiten aufgrund des Zweiten Weltkriegs eingestellt – nach 590 Metern war Schluss mit dem Tunnel. Männer und Materialien wurden dringender für den Krieg gebraucht. Was bereits fertig war, erhielt einen neuen Zweck: Denn dieser Rohbau diente während des Zweiten Weltkriegs als Luftschutzkeller,
Erst in der Nachkriegszeit wurde er in seiner eigentlichen Funktion wiederverwendet und rück-funktioniert zum U-Bahn-Tunnel. Ab 1971 entstand hier die moderne U-Bahnstrecke, wie wir sie heute kennen. Hier lag der südliche Endpunkt der allerersten Münchner U-Bahnstrecke (U3/U6)! Sie behielt diesen Status bis zur Verlängerung der Strecke zur Implerstraße im Jahr 1975.
Von Nazi-Schaffen zu moderner Architektur

Der U-Bahnhof Goetheplatz ist heute ein wichtiger Knotenpunkt und von besonderer historischer Bedeutung für die Münchner U-Bahn. Der Bahnsteig ist mit etwa 135 Metern außerdem ein Stück länger als die üblichen 120-Meter-Bahnsteige. Und der alte Lindwurmtunnel aus den 40er-Jahren mündet heute in eine der meist besuchtesten Stationen der Stadt: Sendlinger Tor.
Und auch seine Architektur kann sich sehen lassen. Denn der Bahnhof wurde im Rahmen des einheitlichen Farbkonzepts der ersten U-Bahnstrecke von Architekt Paolo Nestler entworfen. Wer schon einmal am Goetheplatz ein- oder ausgestiegen ist, weiß Bescheid: Die Erkennungsfarbe der Haltestelle sind verschiedene Grüntöne, die an den Keramikfliesen der Stützpfeiler zu finden sind. Wo einmal Nazis am Werk waren, können wir uns heute daher über frische Farben freuen.