München ist ein Shoppingparadies, das für jeden Typ das Richtige bereithält: Die klassische Fußgängerzone rund um den Marienplatz, die teuren Designer-Boutiquen entlang der Maximilianstraße oder die verschiedenen Einkaufzentren, die alles unter einem Dach bieten. In die letzte Kategorie gehörte auch das Schwabylon an der Leopoldstraße und doch ist es mit keiner der heutigen Malls zu vergleichen.
Ein riesiger Vergnügungstempel
Das Schwabylon erinnerte in seiner Form an eine ägyptische Stufenpyramide und erstrahlte in knallorange, geziert von einer aufgehenden Sonne. Der für München untypische Bau sprang einem bereits von Weitem ins Auge und erhielt schnell den Spitznamen „Nimm-2-Tüte“. Er verfügte über fast keine Fenster und im Inneren nur über Rampen statt Treppen. Der Augsburger Immobilienunternehmer Otto Schnitzenbaumer gab den Komplex beim Schweizer Architekten Justus Dahinden in Auftrag, der diesen binnen eines Jahres für 160 Millionen DM realisierte. Am 09. November 1973 war es soweit und das Einkaufs- und Vergnügungszentrum öffnete seine Pforten für die Öffentlichkeit.
Um die 100 Geschäfte hatten sich im Schwabylon niedergelassen und luden zum Shoppen und Stöbern ein. Wer sich dazwischen stäken wollte, besuchte eines der 12 Restaurants oder den Biergarten mit seinen Kastanien. Hatte man genug vom Einkaufen, vergnügte man sich in der Spielhalle, im Schwimmbad und auf der Eisbahn oder man sah sich einen Film im Kino an. Ein bisschen Wellness zwischendurch gab es in der Therme, dem Solarium und der Sauna. Auch Wohnungen und Büros befanden sich im Gebäudekomplex um das Schwabylon, ebenso wie Münchens erstes Holiday Inn. Zu diesem gehörte wiederum der Nachtclub Yellow Submarine, der von einem Aquarium umgeben war, in dem 36 echte Haie schwammen.
Das Schwabylon: Vision oder Utopie?

Man sollte meinen, dass das Schwabylon ein absolutes Spaßparadies für die Münchner und Münchnerinnen war. Doch die Bevölkerung nahm das kuriose Gebäude eher zurückhaltend auf. Vielleicht war es seiner Zeit einfach voraus, vielleicht war es den Münchnern zu schrill, oder vielleicht hatte man sich mit der schieren Größe des Tempels schlicht verhoben. In jedem Fall standen nach nur einem Jahr fast alle 100 Geschäfte des Schwabylons bereits wieder leer. Der Abriss erfolgte 1979 und heute findet ihr an dieser Stelle einen Verwaltungsbau der Versicherung DBV-Winterthur.
Noch kürzer als das Schwabylon war vermutlich nur die Bahnhaltestelle IGA-Park in Betrieb, die nach nur einem Sommer wieder stillgelegt wurde. Länger hielten sich hingegen das Holiday Inn und das Yellow Submarine. Doch auch dieser Teil des Gebäudekomplexes steht heute nicht mehr, da er dem Schwabinger Tor weichen musste. Das Schwabylon war für kurze Zeit ein Vergnügungszentrum für Groß und Klein, das keine Wünsche offen ließ und trotzdem, oder vielleicht auch deswegen, war es nicht rentabel und stellte sich als absolute Fehlinvestition heraus. Trotzdem hinterließ es einen bleibenden Eindruck und diente der Serie „Münchner Geschichten“ sowie dem Fassbinder-Film „Faustrecht der Freiheit“ als Kulisse und sogar Queen ließ sich hier bei einem Fotoshooting ablichten.