Um München verstecken sich so manchen Wallfahrtsorte abseits der Städte und Dörfer, von denen man kaum etwas ahnt. So wächst seit Jahrhunderten ein Baum in der Kapelle Maria Eich und Maria Brunn war einst ein Heilbad, das schon Sisi besuchte. In die Reihe dieser abgelegenen Kapellen gliedert sich auch Maria Elend bei Dietramszell ein, die hier schon seit dem 17. Jahrhundert anzutreffen ist. Der kleine achteckige Bau stellt unter Beweis, dass eine Kirche nicht nur durch ihre Größe beeindrucken kann.
Ein Zufluchtsort

Während des 30-jährigen Kriegs sollen mehrere Verfolgte in der Nähe von Dietramszell die Mutter Gottes um Rettung gebeten haben. Kurz darauf entdeckten sie ein Erdloch im Wald, in dem sie sich verstecken konnten. An Ort und Stelle errichtete man dann eine Kapelle, die ab 1687 durch die heutige Kirche ersetzt wurde, da der alte Bau zu klein für die Besucherströme wurde. Hinter dem Altar könnt ihr bis heute eine Grube erkennen, die an diese Geschichte erinnert. Lange Zeit stand diese offen und kranke Wallfahrende kauerten darin, um Heilung zu erbeten. Irgendwann deckte man die Grube jedoch ab, sodass ihr sie heute nicht mehr betreten könnt.
Die Kirche erfuhr ihre Weihung auf die Sieben Schmerzen Marias bei ihrer Fertigstellung 1690. Trotzdem trägt sie den Namen Maria Elend erst seit 1827; davor nannte man sie lediglich Elend Kircherl. Im Inneren der Kirche entdeckt ihr hinter dem Rokoko-Altar eine Figur des gegeißelten Jesus in einer Art Grotte. Auf der anderen Seite der Geißelsäule seht ihr seine leidende Mutter Maria. Die beiden Figuren fand man angeblich in der Erde vergraben, woran die Grube ebenfalls erinnert.
Barockes Juwel Marian Elend

Der Hauptbau von Maria Elend beschreibt, wie auch die Gnadenkapelle in Altötting, ein Oktogon, was für Kirchen eine eher untypische Form ist. Dieser trägt ein Spitzdach während den Turm eine Zwiebelhaube krönt. 1964 erfuhr die Kirche das letzte Mal eine Renovierung. Im Inneren entdeckt ihr neben der Darstellung von Jesus und der Schmerzmutter ein Deckenfresko, das Kranke und Schmerzleidende zeigt, die sich ebenfalls Maria und Jesus zuwenden. Darin spiegelt sich erneut die Bedeutung von Maria Elend als Ort der Zuflucht.
Die Wände von Maria Elend schmücken um die 160 Votivtafeln. Sie stecken in kunstvollen Rahmen und zeigen verschiedene Szenen zu Zeiten der Pest und Cholera, aber auch aus dem Tölzer Land. Wenn ihr selbst einmal bei dieser Wallfahrtskirche im Wald vorbeischauen wollt, dann hoffentlich nur als interessierte Besucher und nicht weil ihr todkrank seid. Solltet ihr einen Badeausflug an den Kirchsee planen und vom Kloster Reutberg her kommen, führt euch der Weg an Maria Elend vorbei. Macht bei dieser Gelegenheit also unbedingt einen kleinen Abstecher, bevor ihr euren Weg fortsetzt.