Die bayrischen Herrscher und Könige haben bis heute ihre Spuren hinterlassen – und das nicht nur in München. Neben Schlössern und Burgruinen gibt es auch zahlreiche Orte, die ihnen speziell gewidmet sind, wie etwa die Votivkapelle am Starnberger See oder die neue Büste des Kini an der Corneliusbrücke. Ein weiterer spannender Ort, an dem ihr der Geschichte der Wittelsbacher nachspüren könnt, ist die Gnadenkapelle in Altötting. Diese von Außen unscheinbare Kirche überrascht mit ihrem prunkvollen Inneren, das dem Grab eines Königs würdig ist. Denn in dieser Kapelle findet ihr die Herzen der Wittelsbacher.
Geschichtrsträchtiges Gotteshaus

Wann genau die Gnadenkapelle entstand, können wir heute nicht sicher sagen, doch vermutlich zwischen dem 8. und dem 10. Jahrhundert. Seit dem 15. Jahrhundert wiederum rankt sich eine Sage um das Bauwerk, die es zur Wallfahrtskirche werden ließ. Ein Junge soll in den Mönchbach gefallen und ertrunken sein. Seine Mutter brachte ihn darauf hin in die Kirche und legte ihn auf den Altar, wo sie gemeinsam mit anderen für die Rettung ihres Kindes betete und die Muttergottes um Hilfe bat. Und siehe da, der Junge schlug die Augen auf und war wieder am Leben.
Nach diesem Wunder war die Gnadenkapelle Altötting Ziel vieler Wallfahrenden, die das Gnadenbild der Madonna zur Fürbitte aufsuchten. Siebrachten ihre gesammelten Bilder und Reliquien mit sich, sodass sich im Laufe der Zeit über 2.000 Votivbilder ansammelten, die ihr heute im Rundgang an der Außenwand betrachten könnt. Die Bilder sind so zahlreich, dass sie sogar bis unter die Decke des Vordachs reichen. Wenn ihr hier entlang spaziert, fühlt ihr euch eher wie in einem Museum als in einer Kirche.
Die wertvollste Reliquie entdeckt ihr aber zweifellos im Inneren der Kapelle: Die schwarze Madonna selbst. Dabei handelt es sich um eine geschnitzte Figur der Muttergottes, deren Gesicht und Hände schwarz sind. Sie misst 64 Zentimeter in der Höhe und trägt eine Krone und ein Zepter. Diese stammen von Kurfürst Maximilian I. Jedes Jahr an Karfreitag wird die Madonna mit einem schwarzen Schleier verhüllt, der erst an Ostern wieder gelüftet wird.
Die Gnadenkapelle Altötting als Herzgrab

Die Seele wohnt im Herzen – das glaubte man zumindest früher. Damit die Seele unbeschadet in den Himmel kommt, ließen vor allem Angehörige eines höheren Standes in der Neuzeit ihr Herz getrennt vom Körper bestatten. Die Wittelsbacher waren hier keine Ausnahme: Sie wollten mithilfe der Gnade der Muttergottes das Himmelstor durschreiten. Also setzte man ihre Herzen in Urnen in der Gnadenkapelle Altötting bei, wohingegen ihre Körper in München liegen. Noch heute könnt ihr ihre Särge in den Gruften von St. Michael, der Frauenkirche und der Theatinerkirche besuchen.
Ihre Herzen findet ihr hingegen zu großen Teilen noch immer in Altötting. 27 Herzurnen mit 28 Herzen befinden sich in der Kirchen davon sind 14 für euch sichtbar. Darunter sind u. a. die Könige Max I. und II., Ludwig I., II. und III. sowie Königin Maria Therese. Kaiser Karl VII. teilt sich eine Urne mit seiner Frau, denn er glaubte, wie der Sockel verrät: „Die Liebe ist stärker als der Tod“. Egal ob ihr nun gläubig seid oder euch für Geschichte interessiert, die Gnadenkapelle Altötting ist in jedem Fall einen Besuch wert. Das Innere der Kirche ist prunkvoll ausgestattet und verziert, sodass es neben dem Gnadenbild und den Urnen noch eine ganze Menge mehr zu entdecken gibt.