Wer das Gefühl hat, dass die Isarmetropole nur aus dem klischeebehafteten Schickimicki und gut gefüllten Biergärten besteht, der tut München unrecht. Denn wie könnte eine solche Stadt dann den Bahnwärter Thiel besitzen? Im Schlachthofviertel hat sich auf einem ehemaligen Viehhofgelände eine der spannendsten Kulturinstitutionen der Stadt etabliert. Zeit, sich diesen Ort, der ganz bewusst „anders“ ist, einmal genauer anzusehen.
Vom Viehhof zum Kreativ-Hotspot

Clubs gibt es viele in München. Aber der Bahnwärter Thiel sticht dabei heraus – was zu denken gibt, denn schließlich sind in anderen Discotheken der Stadt die Sportfreunde Stiller entstanden und die Scorpions wurden an der Türe abgelehnt. Aber gerade der Bahnwärter Thiel beschreibt perfekt, was passieren kann, wenn man Altes neu denkt. Die Betreiber haben im Jahr 2015 eine post-industrielle Kulisse geschaffen, die an das kreative Chaos Berlins erinnert.
Hier lag tatsächlich einmal ein Viehhof. Das Gelände sollte danach wortwörtlich mit mehr Leben gefüllt werden, was aus heutiger Sicht definitiv gelang. Statt gewöhnliche Lagerhallen oder Gebäude aufzubauen, entschieden sich die Betreiber für einen anderen Weg. Der Bahnwärter Thiel besteht aus einer skurrilen Mischung aus alten U-Bahn- und Trambahn-Waggons, gestapelten Seecontainern und dem ehemaligen Pavillon des Lenbachhauses.
Hier tanzt ihr also nicht in den üblichen Hallen, sondern direkt in echten Münchner Verkehrsmitteln. Kann eine Location noch außergewöhnlicher werden? Abseits vom etablierten Münchener Nachtleben findet sich hier ein Zentrum für Kunst, Kultur und Musik. Die Location ist übrigens benannt nach der gleichnamigen Novelle von Gerhart Hauptmann.
Kunst, Musik und alles, was dazu gehört
So bunt wie die Container-Wände selbst ist auch das Programm im Bahnwärter Thiel. Zwar ist die Location in erster Linie ein beliebter Club für elektronische Musik. In Konkurrenz mit dem Blitz Club gilt der Bahnwärter nicht umsonst als einer der besten Techno-Clubs der Stadt.
Aber darüber hinaus findet ihr hier auch alle möglichen Künste: Es finden Konzerte, Theater, Comedy, Poetry Slams und Kinovorstellungen statt. In einigen der Container sind heute Ateliers, regelmäßige Flohmärkte laden außerdem zum Stöbern und Feilschen ein. Und auch in der Münchener Weihnachtszeit lohnt sich der Besuch: Das Winterfestival „Mondscheinexpress“ kostet nicht einmal mehr Eintritt.
Falls euch dieses ungewöhnliche und alternative Konzept an ein anderes Projekt in München erinnert, habt ihr völlig Recht: Die Crew, die hinter dem Bahnwärter Thiel steht, betreibt seit 2018 auch das Partyschiff Alte Utting. Ob U-Bahn-Waggons oder Passagierschiff, in München gibt es einige sehr unkonventionelle Orte, an denen sich das feiern lohnt.