Bayerns ist reich an Mythen und Legenden, wie dem Drachen von Murnau oder dem spukenden Hauptmann am Jungfernturm. Auch die Geschichte des mysteriösen Kaspar Hauser wirft bis heute fragen auf. Lange Zeit lebte er in Ansbach, wo ihr heute sein Denkmal finden könnt und auf seinen Spuren wandelt. Die mittelfränkische Stadt hat aber noch mehr zu bieten, wie die eindrucksvolle Residenz mit Orangerie. Das und noch mehr entdeckt ihr auf eurem Tagesausflug.
Der mysteriöse Junge ohne Herkunft

Im Mai 1828 tauchte in Nürnberg ein etwa 16-jähriger Junge mit Namen Kaspar Hauser auf. Er gab an, aus Regensburg zu kommen und sein bisheriges Leben nur bei Wasser und Brot in einem dunklen Raum verbracht zu haben. Schnell machten Gerüchte die Runde, er könne aus einem Adelsgeschlecht stammen, aus dem man ihn verstoßen habe. 1831 erlangte der englische Lord Philipp Henry Earl Stanhope die Vormundschaft über Kaspar und brachte ihn in Ansbach bei einem Lehrer unter.
Dort verkehrte er in den gehobenen Schichten, wo er wegen seines Charmes sehr beliebt war. Zwei Jahre nach Ankunft in der Stadt starb Kaspar an den Folgen einer Stichverletzung, die ihm ein Unbekannter im Ansbacher Hofgarten zugefügt haben soll. Die Ärzte waren sich jedoch uneins, ob der Stich wirklich durch Fremdeinwirkung entstanden ist, oder ob Kaspar ihn sich womöglich selbst zugefügt hatte. Er wurde unter großer Anteilnahme auf dem Stadtfriedhof beigesetzt, wo ihr noch heute sein Grabmal findet. Darin eingemeißelt steht: „Hier liegt Kaspar Hauser, Rätsel seiner Zeit, unbekannt die Herkunft, geheimnisvoll der Tod 1833.“
Im Hofgarten könnt ihr das Denkmal besichtigen, das ebenfalls auf Hausers mysteriöse Geschichte hinweist. Bis heute bestehen Zweifel an seinen Erzählungen und seiner Identität. Die Theorie, dass er aus adeligem Hause stammte, widerlegten mehrere DNA-Analysen. Trotzdem fasziniert der Mythos Kaspar Hauser weiter. Im Markgrafenmuseum Ansbach findet ihr im Erdgeschoss die Kaspar-Hauser-Abteilung, mit der weltweit größten Sammlung zu dieser rätselhaften Persönlichkeit.
Rokoko-Stadt Ansbach

Ansbach ist aber nicht nur für Fans der Kaspar-Hauser-Theorien das ideale Ausflugsziel. Die kleine Stadt in Mittelfranken hat noch viel mehr zu bieten. Die Residenz ist ein eindrucksvoller Renaissancebau, die aus einer mittelalterlichen Anlage heraus entstand. Davon zeugt die gotische Halle, die heute als Veranstaltungsort dient und von euch gebucht werden kann. In ihr befindet sich auch die größte Sammlung Fayencen der ehemaligen Ansbacher Porzellanmanufaktur. 150 Jahre lang war diese Manufaktur für ihre Rokoko-Figuren und das Tafelgeschirr mit Berliner Muster bekannt.
Im Festsaal der Residenz bewundert ihr das Deckenfresko des lombardischen Malers Carlo Carlone und im Spiegelkabinett eine Sammlung Porzellan aus Meißen. Im gekachelten Saal findet ihr 2.800 Keramikfließen und in der Gemäldegalerie findet ihr weitere Werke des Rokoko. An die Residenz schließt der Hofgarten an, eine wunderschöne barocke Gartenanlage mit eigener Orangerie. Hier finden regelmäßig die Ansbacher Bachwochen statt und ihr könnt im Café Getränke und Schmankerl genießen.
In der Innenstadt von Ansbach bewundert ihr die Kirche St. Gumbertus, deren Mix aus verschiedenen Architekturstilen die lange Geschichte des Orts widerspiegelt. Im Inneren befindet sich die größte Barockorgel Frankens, auf der natürlich Konzerte gespielt werden. Das Stadtbild ist geprägt von Fachwerkbauten und Bürgerhäusern des Rokoko, wie dem Gasthaus „Schwarzer Bock“. Der älteste Teil der ehemaligen Stadtbefestigung ist das Herrenrieder Tor, welches im 16. Jahrhundert einen barocken Neubau erfuhr. Ansbach ist außerdem reich an Skulpturen, die ihr auf einem Skulpturenrundgang entdecken könnt.