Drei Stunden von München liegt die mittelalterliche Kleinstadt, die bereits im 11. Jahrhundert ihr Stadtrecht erhielt. Mit ihren über 5.000 Einwohnern war sie eine der größten Städte des Heiligen Römischen Reiches. Heute ist sie nicht nur für ihre schönen Fachwerkhäuser bekannt, sondern auch dafür, dass hier das ganze Jahr Weihnachten herrscht. Taucht eine in eine geschichtsträchtige, märchenhafte Welt.
Reise ins Mittelalter

Ihr durchschreitet enge Gässchen, über Kopfsteinpflaster und vorbei an alten Gemäuern bei eurem Streifzug durch die Stadt. Es fühlt sich fast wie eine kleine Zeitreise an, wären nicht hier und dort Zeugnisse des 21. Jahrhunderts zu erspähen. Die Stadt erhielt ihren Namen durch die Burg, um welche herum eine Siedlung entstand. 1172 verlieh Kaiser Friedrich I. Barbarossa ihr Stadtrechte, was den Bau der Stadtmauer nach sich zog. Diese Mauer ist geprägt durch ihre 42 Türme und sechs Tore, aufgrund derer die Stadt auch als „Fränkisches Jerusalem“ bezeichnet wird.
100 Jahre später, im Mai 1274 erhob König Rudolf von Habsburg den Ort zu einer Freien Reichsstadt. Aber nicht nur politisch war sie zur damaligen Zeit von großer Bedeutung, sondern auch wirtschaftlich und religiös. Sie wurde zu einer wichtigen Handelsstadt, deren Kaufleute unter anderem in Italien und Tschechien aktiv waren. Für Gläubige wurde sie zum Wallfahrtsort, die der Heiligblut-Reliquie einen Besuch abstatteten. Aufgrund des Aufschwungs konnten in der Stadt neue Bauwerke, wie die St. Jakob-Kirche und die Basilika errichtet werden.
Nach Ende des 30-jährigen Krieges verlor die Stadt zunehmend an Bedeutung und Einfluss, auch wenn sie sowohl ökonomisch als auch geistlich nach wie vor eine Rolle spielte. 1945 wurde die Stadt zwar Opfer von Kriegsangriffen, jedoch blieben beinahe 600 Gebäude intakt und die restlichen Bauten konnten originalgetreu wieder aufgebaut werden.
Die Weihnachtshauptstadt Deutschland
Weihnachten spielt in Rothenburg ob der Tauber eine ganz besondere Rolle. Einerseits ist da natürlich der alljährliche Reiterlesmarkt, der die Stadt von Ende November bis zum 23. Dezember durch den Advent begleitet. 61 Buden erwarten die Besucher des Weihnachtsmarktes, außerdem gibt es eine Bühne für Blasmusik und am Rathaus öffnet sich jeden Tag ein Adventsfenster. Darüber hinaus ist Altstadt festlich geschmückt und erstrahlt in funkelnder Weihnachtsbeleuchtung.
Andererseits ist Rothenburg auch Heimat des berühmten deutschen Weihnachtsmuseums. Ausgestellt wird hier Weihnachtsschmuck aus dem Zeitraum 1870 bis 1950 so wie andere Gegenstände, die vom Brauchtum des Festes zeugen. Ihr lernt hier mehr über die Entwicklung der Weihnachtstraditionen und die Bedeutung der Feierlichkeiten.
Und zu guter Letzt ist das noch das Weihnachtsdorf der Käthe Wohlfahrt. Statt nur in der Adventszeit shoppt ihr hier das ganze Jahr Weihnachtszubehör. Über 12.000 Artikel wollen von euch entdeckt werden.
Besuch in Rothenburg ob der Tauber

Rothenburg ob der Tauber ist ein beliebtes Ausflugsziel und heute stark touristisch geprägt. Die schöne Altstadt macht den Ort weltberühmt und wurde 2021 sogar zur schönsten Altstadt in ganz Deutschland gekürt. Wenn ihr Rothenburg einen Besuch abstattet, begeht unbedingt die Stadtmauer. Plant hierfür aber ausreichend Zeit ein, der gesamte Rundgang dauert nämlich gut zweieinhalb Stunden. Ausgangpunkt bildet der Röderturm, der euch einen tollen Blick bietet. Aber auch den Rathausturm solltet ihr nicht auslassen, wenn ihr keine atemberaubende Aussicht verpassen wollt.
Die namensgebende Rothenburg existiert nicht mehr; wo sie einst stand, befindet sich heute der Burggarten. Von hier genießt ihr den wunderbaren Blick über das Taubertal und die schöne Bepflanzung des Parks lädt zum verweilen ein.
Neben dem Weihnachtsmuseum ist auch das Kriminalmuseum einen Besuch wert. Erfahrt hier mehr über die Entwicklung des deutschen Rechts, die Hexenverfolgung und mittelalterliche Folter. Spektakuläre Kriminalfälle werden nacherzählt und mit hartnäckigen Rechtsmythen aufgeräumt.
Die Naschkatzen unter euch sollten sich die berühmten Rothenburger Schneeballen nicht entgehen lassen. Dieses traditionelle Mürbeteiggebäck ist typisch für Rothenburg und eignet sich auch optimal als Souvenir. Ihre Form sowie der Puderzucker, mit dem sie bestäubt sind, geben den Schneeballen ihren Namen.
Von München erreicht ihr Rothenburg ob der Tauber in zweieinhalb Stunden mit dem Zug oder in etwas unter drei Stunden mit dem Auto. Plant euren Ausflug daher besser mit einer Übernachtung. Oder bleibt ein paar Tage in Nürnberg und macht von hieraus einen Abstecher nach Rothenburg, denn von hier aus sind es nur 50 Minuten mit dem Zug.