Ein beschauliches Städtchen an einem See mit Bergpanorama: Klingt wie ungefähr jeder dritte Ort in Bayern. Doch Murnau am Staffelsee gilt als besonders schön. So schön, dass sich hier berühmte Künstler wie Wassily Kandinsky niederließen, um die Landschaft und die Gemeinde auf Leinwand zu verewigen. Heute findet ihr die Bilder auf der ganzen Welt und natürlich auch in Murnau selbst. Neben seiner großen Bedeutung in der Kunstszene, zeichnet sich die Stadt außerdem durch ihre Lage am größten geschlossenen Moorgebiet Europas aus und durch eine besondere Sage, die Murnau seinen Namen verliehen haben soll.
Ein Lindwurm als Stadtwappen
Es gibt mehreren Erzählungen dazu, wie Murnau an seinen heutigen Namen gekommen sein soll. Einst soll in der Gegend um den Staffelsee ein Drache sein Unwesen getrieben haben. Die Stadt hätte deswegen den Namen Wurmesaus getragen, eine Zusammensetzung aus „Lindwurm“ und „Au“. Eines Tages habe Kaiser Ludwig der Bayer den Lindwurm schließlich erlegt und die Stadt befreit. In einer anderen Legende kommt einem kleinen Jungen der Verdienst des Drachentöters zu. Er habe auf der Insel Wörth im Staffelsee die Haut eines Kalbs als Köder ausgelegt. Diese sei mit Kalk präpariert gewesen. Als der Drache nach seiner Mahlzeit aus dem Staffelsee trank, reagierte das Kalk mit dem Wasser und tötete die Bestie.
Noch heute zeugt das Stadtwappen von den alten Sagen, denn es zeigt einen feuerspeienden Lindwurm. Außerdem findet sich außerhalb der Gemeinde der Drachenstich, ein Flurstück, das ihr entlang wandern könnt. Es gibt jedoch auf eine weniger spektakuläre Erklärung für den Ortsnamen Murnau. So könne dieser auf die mittelhochdeutschen Wörter „muorin“ für Moor und „ouwe“ für Au zurückgehen. Südlich der Stadt liegt das Murnauer Moos, ein 32 Quadratkilometer großes Moorgebiet, worauf sich der Name beziehen könnte. Eindeutig geklärt ist die Namensherkunft aber nicht.
Die Blauen Reiter in Murnau

Murnaus ist aber nicht alleine wegen seiner spannenden Legenden interessant. Im Jahre 1908 verbrachten der russischstämmige Künstler Wassily Kandinsky und seine Frau Gabriele Münter gemeinsam mit Marianne von Werefkin und Alexej Jawlensky zum Malen in der Gemeinde auf. Bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs schufen sie viele Bilder von dem Ort und seiner umgebenden Landschaft, die ihr heute u. a. in New York, München, aber auch Murnau selbst betrachten könnt.
Sie gründeten gemeinsam mit anderen Künstlern die expressionistische Gruppe „Der Blaue Reiter“, die einen gleichnamigen Almanach herausgab. Den Blauen Reitern verdanken Murnau und Umgebung auch den Spitznamen „Blaues Land“. Die Redaktionstreffen für den Almanach fanden oftmals im heutigen Münter-Haus statt, das Münter mit Kandinsky zeitweise bewohnte. Heute könnt ihr das Haus und dessen Gemälde kann heute von euch besichtigt werden. Weitere Bilder der Blauen Reiter findet ihr im Schlossmuseum in der ehemaligen Burg Murnaus. Hier gibt es auch einige Werke der Hinterglasmalerei, für welche die Stadt ebenfalls bekannt ist.
Vielfältige Landschaften

Auch wenn ihr euch nicht für Kunst begeistert, lohnt sich ein Besuch von Murnau und dessen Umgebung. Sowohl Freunde der Berge als auch der Seen kommen hier auf ihre Kosten. Am Horizont könnt ihr unter anderem die Zugspitze, die Alpspitze und den Herzogstand erblicken. Der Staffelsee wiederum ist nur einer von drei Seen im „Blauen Land“. Er verfügt über eine Fläche von 8 Quadratkilometern und sieben Inseln, von denen eine, nämlich Wörth, bewohnt ist. Der Riegsee und der Froschhauser See sind ebenfalls nicht weit entfernt.
Eine landschaftliche Besonderheit ist aber natürlich das Murnauer Moos, in dem ihr wunderbar wandern könnt. Die Fläche wird von vielen kleinen Bächen durchflossen und ist Heimat für viele kleine Ökosysteme. Es entstand, nachdem sich vor über 10.000 die Gletscher der Umgebung zurückzogen. Murnaus selbst ist aber auch einen Abstecher wert, und das nicht nur wegen der Museen. Ihr könnt bei schönem Wetter durch den Kurpark schlendern, die alten Häuser um den Münter-Platz bewundern oder euch in einem der traditionellen Kaffeehäuser niederlassen.
Von München nach Murnau benötigt ihr etwa eine Stunde mit dem Auto oder mit dem Zug. Ihr könnt einfach mit dem RB60 Richtung Pfronten-Steinach von Pasing aus fahren und nach fünf Stationen bereits aussteigen.