Um viele der Münchner Sehenswürdigkeiten ranken sich so manche Mythen und Legenden, wie etwa die Geschichte des Teufelstritts in der Frauenkirche oder auch der andere Teufelstritt am Alten Peter. Der Alte Hof fügt sich nahtlos in diese Reihe ein und steht den anderen Erzählungen in nichts nach. Was genau es mit dem Affenturm auf sich hat und was es im Alten Hof sonst noch zu entdecken gibt, verraten wir euch hier.
Die alte Kaiserburg

Wie alt der Alte Hof genau ist, lässt sich nicht ganz eindeutig feststellen. Seit 1255 hatten die Wittelsbacher hier ihre Residenz, jedoch gibt es Vermutungen, dass an Ort und Stelle zuvor schon eine Burganlage gestanden haben könnte. Spätestens ab dem 13. Jahrhundert war der Alte Hof aber einer von mehreren Wohnsitzen bayerischen Herrscherfamilie, die auch in anderen Städten wie Kelheim, Regensburg oder Landshut ihre Burgen und Schlösser hatten. Rund um die Anlage befand sich eine 1,80 Meter breite Backsteinmauer sowie ein Graben, der vor Angriffen schützte.
Als Ludwig der Bayer im 14. Jahrhundert schließlich als römisch-deutscher Kaiser den Thron bestieg, wählte er einen festen Wohnsitz. Seine Wahl fiel auf den Alten Hof in München, womit diese zur Kaiserburg wurde. Trotzdem reiste er noch häufig im Reich umher. In München war er jedoch geboren und hatte im Alten Hof angeblich eine Begegnung mit einem Affen – der mit ihm einen Ausflug in luftige Höhen unternahm.
Die Legende um den Affenturm

Herzog Ludwig II. soll der Erzählung zufolge einen Affen als Haustier gehalten haben, der sich frei bewegen durfte. Diese Freiheit wurde eines Tages zum Verhängnis, als das Tier Sohn Ludwig aus der Wiege stibitzte. Gemeinsam mit dem Kind soll er den Erkerturm erklommen haben und versetzte Bedienstete wie Eltern gleichermaßen in Aufruhr. Nach viel gutem Zureden schafften sie es schließlich, den Affen dazu zu bringen, mit dem Baby hinabzuklettern.
So landete Ludwig wieder wohlbehalten in seinem Bett und der Erker trägt heute den Spitznamen „Affenturm“ oder „Affentürmchen“. Wie viel Wahrheit hinter dieser Geschichte steckt, weiß niemand so richtig. Einige Experten gehen davon aus, dass der gotische Erker erst zu einem späteren Zeitpunkt angebaut wurde. Das ändert aber nichts an dem Charme der Geschichte und ihrem festen Platz unter den urbanen Mythen Münchens.
Ein Besuch im Alten Hof

Mit dem Bau der Residenz verlor der Alte Hof an Bedeutung. Trotzdem ist er uns erhalten geblieben und ihr könnt ihn heute besuchen. Er besteht aus fünf Gebäudeteilen: Dem Burgstock mit Torturm, dem Zwingerstock, Lorenzistock, Pfisterstock und Brunnenstock. Der Affenturm befindet sich am Burgstock, wo sich der dunkelbraune Erker farblich von den ansonsten weißen Wänden klar abhebt. Im gotischen Gewölbekeller des Hofs findet ihr eine Dauerausstellung zur Kaiserburg. Diese verrät euch mehr über die Geschichte der ehemaligen Wittelsbacher Residenz.
Der Alte Hof ist im Sommer außerdem Location für das Sommerquartier und im Winter für das Winterquartier. Hier könnt ihr es euch gemütlich machen und je nach Saison Spritzer oder Glühwein sowie andere Köstlichkeiten genießen. Im Sommer findet hier außerdem das Fränkische Weinfest statt, bei dem ihr euch durch die edlen Tropfen Franken probieren könnt. Aber auch wenn hier nichts los ist, lohnt sich der Besuch. Alleine schon, um das sagenumwobenen Affentürmchen zu sehen.