Wenn man an berühmte Kirchen in München denkt, kommen einem wohl zuallererst die Frauenkirche und die Theatinerkirche in den Sinn. St. Peter hingegen haben die meisten Touristen eher nicht auf dem Schirm und das, obwohl das Gotteshaus auf Bildern der Stadt prominent vertreten ist. Einheimische verbinden mit der Kirche in erster Linie ihren Turm: den Alten Peter. Er ist nicht nur ein großartiger Aussichtspunkt, sondern auch Gegenstand einiger kurioser Geschichte, die einige von euch sicher noch gar nicht kennen.
Der andere Teufelstritt

St. Peter fand erstmals 1225 Erwähnung und gilt damit als älteste Pfarrkirche der Stadt. Sie befindet sich auf dem Petersbergl im Zentrum des Dreiecks zwischen Marienplatz, Viktualienmarkt und Rindermarkt. Zunächst stand hier ein romanischer Bau, der später durch einen gotischen ersetzt wurde. Dieser erhielt im Laufe der Zeit weitere Umbauten und nachdem St. Peter im Zweiten Weltkrieg ein großes Maß an Zerstörung erlitt, folgte eine umfassende Rekonstruktion, die auch die Deckenfresken beinhaltete.
Früher verfügte die Kirche über zwei Türme, doch nach einem Brand entschied man sich, sie zu einem zu vereinen. Heute sieht man noch, wo die alten Türme abgeschrägt und in der Mitte zu einem zusammengeführt wurden. Die Einheimischen der Stadt nennen diesen Turm den Alten Peter. Wo sich heute die Aussichtsplattform befindet, war früher die Turmstube des Wächters. Dieser behielt von hier oben die Stadt im Blick und schlug bei Bränden Alarm. Dazu läutete er die Glocken, wovon es heute noch acht gibt, vier davon historisch. Der Alte Peter hat aber nicht nur acht Glocken, sondern auch acht Ziffernblätter. Karl Valentin meinte einst scherzhaft, der Grund hierfür sei, dass so acht Leute auf einmal die Uhrzeit ablesen könnten. Tatsächlich gilt die Uhr im Alten Peter als die älteste Stadtuhr Münchens.
Auf dem Dach des Turms thront wiederum das Turmkreuz, das sich nach einiger Zeit um 90° dem Kirchenschiff entgegen neigte. Einer Legende zufolge habe der Teufel aus Wut das Kreuz herniedergestampft – es gibt also nicht nur in der Frauenkirche einen Teufelstritt. In Wirklichkeit war der Wind an der Neigung schuld, weshalb man es bei der Turmrenovierung 1876 quer zur Windrichtung aufstellte. Zur Feier der fertigen Renovierung gab es ein Richtfest, bei dem der Spenglergesellse Lorenz Wach vom Alten Peter einen Trinkspruch sprach und anschließend sein leeres Glas vom Turm hinab warf. Das Gals blieb dabei heil und befindet sich bis heute im Schatz von St. Peter.
Aussicht vom Alten Peter

Den Blick vom Alten Peter müsst ihr euch erarbeiten. 91 Meter misst der Turm bis zur Spitze, auf 56 Metern befindet sich die Aussichtsplattform. Um diese zu erreichen, müsst ihr 306 Stufen erklimmen, einen Aufzug gibt es nicht. Habt ihr es nach oben geschafft, werdet ihr dafür mit einem herrlichen Blick belohnt. Ihr könnt den Turm einmal vollständig umrunden, sodass ihr wirklich in jede Himmelsrichtung seht. Bei Föhn reicht die Sicht bis 100 Kilometer in die Ferne, sodass ihr die Alpen am Horizont erspäht. Darüber hinaus ragen natürlich die Wahrzeichen der Stadt vor euch auf: Das Neue Rathaus, die Frauenkirche, der Olympiaturm, die Theatinerkirche. Auch das Alte Rathaus, die Heilig-Geist-Kirche und St. Maximilian entdeckt ihr von hier oben.
Nachdem ihr oben ausgiebig die Aussicht genossen und danach den Abstieg gewagt habt, solltet ihr auch noch einen Blick in die Kirche selbst werfen. Die herrlichen Deckenfresken und die Stuckaturen an den Wänden sind schön anzusehen. Der gotische Sandsteinaltar ist der einzige seiner Art in der Stadt, in dessen Mitte sich eine goldene Petrusfigur mit Tiara befindet. Verlasst ihr St. Peter dann solltet ihr die Außenmauer noch einmal näher inspizieren. An der äußeren Chorwand entdeckt ihr eine Kanonenkugel in der Mauer. Diese war während der Koalitionskriege vom Gasteig auf die Kirche abgefeuert worden und durchbrach dort ein Fenster. Später mauerte man sie zu Erinnerung hier ein.
📍 Ort: Petersplatz 1
🕐 Öffnungszeiten: Täglich 09 bis 19:30 Uhr (April bis Oktober) oder 18:30 Uhr (November bis März)
💶 Preisinformation: 5€ regulär, 3€ ermäßigt