Er sticht direkt ins Auge: Der rote Backsteinturm am Rindermarkt. Während andere bayerischen Städte wie Dinkelsbühl oder Rothenburg ob der Tauber ihre alte Befestigung und damit ihren mittelalterlichen Charme behalten haben, erinnern in München nur noch wenige Überreste an diese Zeiten. Genau deswegen fällt der Löwenturm so auf, der so untypisch ist für das Stadtbild der Isarmetropole. Bis heute weiß niemand so genau, was es mit dem Bauwerk auf sich hat, was es umso spannender macht.
Welche Funktion hatte der Löwenturm?

Schon der genaue Bauzeitpunkt wirft Fragen auf: Zunächst ging man davon aus, dass der Löwenturm Teil der ersten Stadtbefestigung, die Heinrich von Löwen im 12. Jahrhundert erbauen ließ. Daher stammt auch der heutige Name des Löwenturms. Diese These gilt heute jedoch als widerlegt, womit die Infotafel an der Außenseite des Turms falsch ist. Wahrscheinlicher ist es, dass er im 14. Jahrhundert entstand. Somit diente der Löwenturm, anders als der Jungfernturm, nicht zur Verteidigung und Bewachung der Stadt.
Da er sich direkt über dem ehemaligen Angerbach befand, könnte er zur Bewässerung eines früheren Gartens genutzt worden sein. Allerdings diente der Stadtgraben in erster Linie zur Entsorgung der Überreste aus den Aborterkern der umliegenden Häser, weshalb auch diese Theorie nicht als wahrscheinlich gilt. Stattdessen könnt der Löwenturm Teil einer repräsentativen Hofanlage gewesen sein, worauf die Bemalungen und Verzierungen in seinem Inneren hindeuten. Ansehen könnt ihr euch diese leider nicht – der Löwenturm hat nämlich leinen Eingang.
Der Turm ohne Tor

Etwa 25 Meter misst der Löwenturm, die sich auf sieben Geschosse verteilen. Trotzdem gibt es in seinem Inneren keine Treppen und einen Eingang hat er auch nicht. Wie also gelangt man hinein? Früher war der Turm an drei Seiten von Gebäuden umgeben, über welche man die einzelnen Räume betreten konnte. Ein separater Eingang war daher nicht nötig. Während des Zweiten Weltkriegs erlitten die Nachbargebäude aber so große Schäden, dass man sie abreißen musste.
Der Löwenturm hat hingegen überlebt und steht heute frei am Rindermarkt, wo er ein echter Blickfang ist. Die herrlichen Fresken in seinen Innenräumen bleiben euch dagegen verborgen. Die Fenster des Turms sind allesamt zugemauert, sodass ihr auch durch sie keinen Blick nach drinnen werfen könnt. Trotzdem lohnt sich ein Abstecher bei diesem rätselhaften Backsteingemäuer, das sich auffällig von den modernen Glasfassaden der Umgebung abhebt. Zusammen mit dem Alten Peter im Hintergrund und dem Brunnen am Rindermarkt bildet er ein vielfältiges Ensemble, das zum Bestaunen einlädt.