In München gibt es einige berühmte Kirchen, Klöster kennt man dagegen eher aus dem Umland wie beispielsweise Kloster Weltenburg oder Benediktbeuern. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die meisten Benediktiner die Abgeschiedenheit dem Großstadtgewusel vorziehen. Und doch liegt mitten im Kunstareal direkt am Königsplatz die Benediktinerabtei St. Bonifaz und wird zum Blickfang an der Karlstraße.
Das Kloster des Königs

König Ludwig I. hatte es sich nach der Säkularisation Bayerns zur Aufgabe gemacht, das geistliche Leben zu revitalisieren und gründete daher 1835 am Tag seiner Silberhochzeit mit Therese das Kloster St. Bonifaz in der Maxvorstadt. Ziel war die Errichtung eines geistlichen Zentrums in der wachsenden Großstadt. Des weiteren unterstreicht die Lage am Königsplatz, direkt neben Glyphothek und Propyläen, den Wunsch des Königs nach Verbindung von Religion, Wissenschaft und Kunst. Um die Mönche der Abtei finanziell abzusichern, kaufte er Kloster Andechs und schenkte es den Brüdern in St. Bonifaz. Bis heute gehören die beiden Klöster daher zusammen.
Im Laufe der Jahre wurde St. Bonifaz zum Hauskloster der Wittelsbacher, deren Familiengrab sich im Garten bei Andechs befindet. Trotzdem liegen viele der Wittelsbacher Adeligen in den Münchner Grüften begraben. Ludwig I. selbst liegt auf eigenen Wunsch in der Basilika von St. Bonifaz, wo sich heute noch sein Sarkophag befindet. Sein Herz dagegen liegt in einer Urne in der Gnadenkapelle Altötting. Das Herz seiner Frau Therese befindet sich hingegen in St. Bonifaz, wie auch ihr Körper selbst, der seit 2002 direkt neben ihrem Mann beigesetzt wurde. Zuvor hatte sich ihr Sarg in einer eigenen Gruft unterhalb von Ludwigs Ruhestätte befunden.
St. Bonifaz heute

Im Zweiten Weltkrieg erlitt die Basilika St. Bonifaz schwere Schäden und man baute sie nur zum Teil wieder auf. Heute misst das Kirchenschiff nur noch etwas mehr als Drittel seiner ursprünglichen Länge und ist von 82 auf 32 Meter geschrumpft. Früher war ihr Inneres reich verziert und mit detailreichen Fresken und Mosaiken versehen. Heute ist der Innenraum schlichter gehalten und moderne Kunstwerke zieren Decken und Wände.
Im Äußeren bliebt der neubyzantinische Stil hingegen erhalten. Ihr könnt an den hiesigen Gottesdiensten teilnehmen oder diese per Live-Stream verfolgen. Die Mönche von St. Bonifaz haben sich ganz der Seelsorge und der Obdachlosenhilfe verschrieben. Sie geben kostenlos Essen aus, sammeln Kleidung und bieten ärztliche Behandlungen an. Des weiteren ist die Stiftsbibliothek mit theologischem Schwerpunkt eine der größten wissenschaftlichen Privatsammlungen Bayerns.