München ist eine Millionenstadt, in der man niemals wirklich alleine ist. Täglich tummeln sich tausende Menschen auf dem Viktualienmarkt, im Glockenbachviertel und in der Maxvorstadt. Und doch gibt es hier Gemeinschaften, die es schaffen, fast vollkommen unter sich zu bleiben. Das Archiconvent der Templer in Giesing ist eine solcher Ort, dessen Bewohner in einer eigenen kleinen Parallelwelt mitten in unserer schönen Großstadt leben. Keiner weiß genau, was es mit dem Orden auf sich hat, doch sein auffälliger Kirchturm zieht neugierige Blicke auf sich.
Der Zwiebelturm in Giesing

Bereits von Weitem lugt er zwischen den Bäumen hervor. Zwischen Flaucher und Wettersteinplatz liegt das Archiconvent der Templer, dessen Kirchturm stolze 87 Meter misst. Hier leben die Angehörigen des „Trinitarion des orientalisch-orthodoxen-katholischen und kreuzritterlichen Chor- und Hospitalier-Ordens der Templer e.V.“ – umgangsprachlich Templerorden. Dieser wurde bereits um 1300 aufgelöst, doch es kam immer wieder zu Neugründungen, so auch im 20. Jahrhundert in München. Nachdem dieser 1968 gezwungenermaßen seinen alten Standort in der Birkenleiten 27 verlassen musste, kaufte er die Unternehmervilla ein paar Häuser weiter.
Diese Villa entstand bereits 1880 im altdeutsch-romantischen Stil im Auftrag des Juweliers Karl Winterhalter. Der Templerorden integrierte die Villa in das Kloster und stellte massive Umbauten mit neogotischen Elementen an. Zu den Erweiterungen gehört auch der Kirchturm mit seiner 18 Meter hohen Zwiebelhaube und ist ein wahrer Blickfang. Vier kleinere Turmspitzen umrahmen ihn und geben im etwas Märchenhaftes. Auch das Hauptgebäude schmücken mehrere Türmchen, was das Anwesen zu einem prachtvollen Anblick macht. Das Archiconvent der Templer verfügt des Weiteren über ein Geläut, das mit seinen 21 Glocken eines der größten in Deutschland ist.
Das Klosterleben im Archiconvent der Templer

Die Mitglieder des Templerordens lassen nur wenige Einblicke in ihren Alltag zu. Die SZ hatte vor einigen Jahren das Vergnügen und durfte einen Blick hinter die Klostermauern werfen. So handelt es sich beim Archiconvent der Templer um ein Doppelkloster, in dem Nonnen wie Mönche gleichermaßen Leben. Manche von ihnen sind sogar verheiratet, das Zölibat spielt keine Rolle. Da der Orden vom Vatikan nicht anerkannt ist, handelt es sich außerdem um eine unabhängige Organisation.
13 Mönche und 13 Nonnen gibt es insgesamt in dem Convent in Anlehnung an Jesus und seine 12 Jünger. Sie verpflichten sich mit ihrem Eintritt zu einem bescheidenen Leben in Armut. Gleichzeitig setzen sie sich für Bedürftige ein, verteilen frische Lebensmittel und laden von Montag bis Donnerstag zum Mittagstisch ein. 300 Personen kommen so in den Genuss von ganzen drei Gängen. Möchtet ihr euch selbst engagieren, könnt ihr mit den Templern über deren Website in Kontakt treten – denn ganz so abgeschieden leben sie dann doch nicht. Alle anderen genießen schlicht den Anblick des herrlichen Zwiebelturms im Vorbeigehen.