München ist von vielen malerischen kleinen Örtchen umgeben, die sich in die bergige Landschaft einschmiegen. Aber nur die wenigsten davon dürfen ein altes Kloster ihr eigen nennen, das schon seit dem 8. Jahrhundert besteht und heute ein Gästemagnet ist. Anders als beim Kloster Andechs müsst ihr keinen Berg hochkraxeln, um den Bau bewundern zu können, sondern könnt ganz bequem im Ebenen bleiben. Und ein Besuch lohnt sich, denn auch ohne Panoramablick gibt es hier einiges zu entdecken.
Das älteste Kloster in Oberbayern

Obwohl es keinen urkundlichen Beleg dafür gibt, gehen Expertinnen und Experten davon aus, dass das Kloster Buron, wie es damals hieß, bereits im 8. Jahrhundert gegründet worden ist. 955 fiel es der Zerstörung durch die Ungarn zum Opfer und erst über 70 Jahre später hauchten ihm die Benediktinermönch vom Tegernsee neues Leben ein. Im 12. Jahrhundert erlebte das Kloster Benediktbeuern seine erste kulturelle Blütezeit, wie der romanische Schmuckfußboden belegt. Die Bibliothek umfasste alle wichtigen Bereiche des damaligen höheren Bildungswesens.
Nach Ende des 30-jährigen Krieges kam es erneut zu einer Hochphase des Klosters. Der Bau der Basilika St. Benedikt im 17. Jahrhundert ging mit der barocken Umgestaltung des Komplexes einher und das Kloster beheimatete ein Gymnasium und eine Hochschule. 1803 kam es im Rahmen der bayerischen Säkularisation zur Auflösung der Abtei und aus der Klosterkirche wurde eine katholische Pfarrkirche. In diesem Zuge fand man auch die Carmina Burana in der Klosterbibliothek, die heute in der Bayerischen Staatsbibliothek in München liegt. Carl Orff vertonte Teile daraus in den 1930er Jahren.
Nach der Säkularisation erwarb Josef von Utzschneider die Klostergebäude und richtete dort eine Glashütte ein, in der Josef Frauenhofer tätig war. Er entdeckte hier die Fraunerhoferschen Linien, welche später eine wichtige Rolle in der Entwicklung der Spektralanalyse spielen sollten. 1818 übernahm der bayerische Staat einen Großteil der Anlage, abgesehen von der Glashütte, bevor sie 1930 wieder in geistliche Hände gelangten. Die Salesianer Don Boscos ließen sich hier als Ordensgemeinschaft nieder und noch heute leben hier 35 Ordensmitglieder.
Ein Besuch im Kloster Benediktbeuern

Benediktbeuern ist heute eine Gemeinde mit ca. 3600 Einwohner im Landkreis Bad Tölz. Die beiden Zwiebeltürme der Basilika sind das, was euch als erstes ins Auge springt und sind das Wahrzeichen des Örtchens. Das Kloster, die Basilika und die Rokokokapelle St. Anastasia könnt ihr bei eurem Besuch ausgiebig besichtigen und mehr über deren Geschichte lernen.
Der Barocksaal des Klosters dient heute zuweilen als Konzertsaal, wo ihr klassischer Musik lauschen könnt. Außerdem finden im Sommer Open-Air-Konzerte statt. So gaben Deep Purple 2008 in Benediktbeuern eines von nur drei Open-Air-Konzerten in Deutschland. Aber auch Adel Tawil und Harry G. traten hier schon auf.
Die Frauenhofer Glashütte hat heute noch als Museum bestand. Entdeckt die Gerätschaften und Schmelzöfen des Forschers und lernt mehr über die Kunst des Glasschleifens im frühen 19. Jahrhundert. Um das Kloster Benediktbeuern herum gibt es mehrere Naturlehrpfade, auf denen ihr wandelt und eure Umwelt erleben könnt, z. B. auf dem Moorpfad, dem Barfußpfad oder dem Klangpfad.
Das Dorf Benediktbeuern selbst bietet euch das ganze Jahr über ein abwechslungsreiches Programm. Nach Pfingsten findet hier der Pfingstmarkt statt, im Advent der Christkindlmarkt und im August das Sommerkellerfest der Freiwilligen Feuerwehr. Zu guter Letzt könnt ihr am Ende eures Besuchs in Benediktbeuern im Klosterbräustüberl einkehren und neue Energie tanken. Bei schönem Wetter sitzt draußen im Biergraten und genießt die Sonne.