Malerische Dörfer haben wir in Bayern mehr, als man zählen kann. Bei manchen dieser Orte könnt ihr das Adjektiv „malerisch“ sogar wörtlich nehmen, denn hier zeugen farbenrohe Bilder an den Hausfassaden von längst vergangenen Tagen. Hier wandelt ihr durch die Gassen und bestaunt die bunten und detailverliebten Malereien, die teilweise um die 250 Jahre überdauert haben. Macht einen Ausflug in den Landkreis Garmisch-Partenkirchen und entdeckt die Heimat des Malers, der diese Kunstform sogar namentlich geprägt hat.
Ein Dorf geprägt vom Kunsthandwerk

Das Bemalen der Hausfassaden, wie ihr es in einigen Dörfern Oberbayerns und Tirol findet, wird als Lüftlmalerei bezeichnet. Der Begriff geht zurück auf den oberammergauer Künstler Franz Seraph Zwinck, dessen Haus den Spitznamen „Zum Lüftl“ trug, denn er soll auch dann gemalt haben, wenn ein „Lüftl“ um sein Haus wehte. Er wirkte vor allem in seinem Heimatort Oberammergau, aber auch in anderen Orten wie Mittenwald könnt ihr seine Kunst bewundern. Seine Malereien zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass der die Fassaden oft als Ganzes behandelte, anders als sein Zeitgenosse Karner, der ebenfalls in Mittenwald tätig war.
Die Lüftlmalereien werden mithilfe der Freskotechnik auf die Häuser aufgetragen, wobei es zu einer chemischen Reaktion der Farben mit dem Putz kommt, was sie besonders wetterfest macht. Deswegen sind viele der Bilder heute noch gut erhalten. Sie zeigen oft religiöse Szenen, wie die Passion Christi, erzählen aber auch vom Alltag und den Berufen der Hausbewohner. Auch Märchen werden bildhaft dargestellt. Wenn ihr das Lüftlmalereck in Oberammergau besucht, werdet ihr euch vorkommen wie in einem Freilichtmuseum.
Die Lüftlmalerei ist aber nicht die einzige Kunstform, für die Oberammergau bekannt ist. Eine viel längere Tradition hat die Holzschnitzerei, die bis ins Jahr 1111 zurückreicht und die die Mönche in das Dorf brachten. Die Bewohner handelten mit den Erzeugnissen und später entstand sogar eine eigene Schnitzschule, die bis heute besteht. Hier könnt ihr euch in drei Jahren zum Holzbildhauer ausbilden lassen.
Die weltberühmten Passionsspiele Oberammergau

Während ihr die zauberhaften Lüftlmalereien zu jeder Zeit bewundern könnt, finden die Passionsspiele Oberammergau nur einmal im Jahrzehnt statt. Die Tradition findet ihren Ursprung im Pestjahr 1633, in der die Seuche das Dorf heimsuchte. Die Bewohnerinnen und Bewohner gelobten, immer dann Passionsspiele abzuhalten, wenn sie von der Pest befreit wurden. Ab diesem Zeitpunkt soll in Oberammergau niemand mehr an der Krankheit gestorben sein.
Die Passionspiele Oberammergau sind die bekanntesten der Welt und haben im Laufe der Jahrhunderte einige Anpassungen erfahren, um mehr dem Zeitgeist zu entsprechen. Alle zehn Jahre könnt ihr dabei sein, wenn das Dorf ganz im Zeichen der Spiele steht. 2010 fanden die Spiele an insgesamt 109 Spieltagen statt und mehrere hunderttausend Menschen wohnten ihnen bei. Die Inszenierung erfolgte in elf Akten und dauerte von 14:30 Uhr bis 23 Uhr, inklusive einer dreistündigen Pause. 2030 habt ihr die nächste Gelegenheit, um bei dem Spektakel dabei zu sein.
Möchtet ihr Oberammergau gerne abseits der Passionsspiele besuchen, dann erreicht ihr das Dorf von München in ca. 70 Minuten mit dem Auto. Alternativ nehmt ihr den Zug Richtung Murnau, wo ihr auf den RB63 umsteigt. Im Winter ist das Skigebiet Oberammergau besonders attraktiv und lockt mit der steilsten Abfahrt Deutschlands mit einem Gefälle von 42°. Alle, die es weniger actionreich mögen, bleiben im Ort und betrachten die wunderschönen Lüftlmalereien.