Anders als Berlin ist München nicht gerade für seine Clubkultur bekannt und mit dem Blitz schließt heuer eine weitere Kultlocation. Das war aber nicht immer so: Früher gab es viele legendäre Club in München, in denen große Stars wie Freddy Mercury, Mick Jagger oder Jimmy Hendrix ein und aus gingen. In Schwabing gab es sogar einmal eine Disko mit echten Haien! Und bis in die 2010er lag mit der Kultfabrik das größte Clubareal Europas am Ostbahnhof. Hier war das Münchner Nachtleben zuhause und bot neben Party auch Gastro und Kultur.
Die Vergnügungsmeile auf dem Industriegelände

Bis Mitte der 1990er war das Areal rund um den Ostbahnhof ein Industriegebiet, in dem u. a. auch Knödelhersteller Pfanni produzierte. Dieser verlegte sein Werk 1996 jedoch nach Mecklenburg-Vorpommern und schuf Platz für das kulturelle Angebot des Kunstpark Ost. Zuvor hatte es bereits am Flughafen Riem Ansammlung an Club gegeben, die aber der Messestadt weichen mussten. Einige davon fanden im Kunstpark ihre neue Heimat.
Mit der Milchbar entstand zu dieser Zeit eine Adresse, die bis heute bestand hat und die ihren Namen den Milchshakes verdankt, die ihr damals hier trinken konntet. Weitere bekannte Clubs zu dieser Zeit waren das Babylon, das Ultraschall und das Heizkraftwerk. Darüber hinaus hatten mehrere Kunstschaffende hier ihre Ateliers und es gab mehrere Bars, Restaurants und Spielhallen. Es fanden regelmäßig Konzerte und Flohmärkte statt und der Kunstpark Ost konnte bis zu 250.000 Besuchende pro Monat verzeichnen. Trotzdem konnte er sich nicht lange halten und wurde 2003 schließlich aufgelöst.
Nachfolger des Kunstpark Ost: Die Kultfabrik
Das Ende vom Kunstpark Ost bedeutete jedoch längst nicht das Ende des Kultur- und Nachtlebens auf dem Pfannigelände: Aus dem Kunstpark erwuchs die Kultfabrik, der einige damaligen Clubs treu blieben. Insgesamt 25 Stück befanden sich auf dem 90.000 m² großen Gelände, zusammen mit einem breiten gastronomischen Angebot und Veranstaltungsorten für Konzerte und Theaterstücke wie die Tonhalle und die Halle 7. Das Zentrum der Kultfabrik bildete die Kantine, in der ihr bis 05 Uhr morgens speisen konntet, eine absolute Seltenheit in München. Im westlichen Teil befand sich in der whiteBOX ein Kunstareal für Ausstellungen und Events.
Die Kultfabrik richtete sich dabei nicht nur an Nachtschwärmer, sondern auch an Familien mit Kindern. Wo sich zu Zeiten des Kunstparks der Club Heizkratfwerk befunden hatte, gab es nun das Kulti-Kids, einem Hallenspielplatz auf drei Ebenen. Dieser bot großzügigen Platz zum Toben und vielfältige Aktivitäten zum Mitmachen. Direkt neben der Kultfabrik lagen außerdem die Optimolwerke, ein weiteres Clubareal auf dem Gelände der ehemaligen Optimol Ölwerke. Hier hatte das legendäre Harry Klein seinen Ursprung, das später ebenso wie die Milchbar in die Sonnenstraße zog. Ganze 30 Clubs waren hier zuhause, was die gesamte Gegend um den Ostbahnhof zur absoluten Partyzone machte.
Das Ende der Kultfabrik

Über ein Jahrzehnt konnte sich die Kultfabrik in München halten, doch letztlich musste sie dem heutigen Werksviertel weichen. Die letzte Party feierte man hier in der Silvesternacht von 2015 auf 2016 und besiegelte das Ende somit wortwörtlich mit einem Knall. Die Optimolwerke konnten dagegen bis 2018 bleiben, bevor auch diese endgültig schließen mussten.
Einige Locations wie die Tonhalle gibt es heute immer noch und aus Halle 7 ist das Werk 7 geworden. Die whiteBOX wiederum befand sich im ehemaligen Werk 3 der Pfanni-Fabrik und trägt heute wieder diesen Namen. Auf dem Dach des Werk 3 gibt es heute eine coole Rooftop Bar mit Pool sowie eine kleine Stadtalm mit einer Schafsherde.