An mittelalterlichen Städten wie Rothenburg ob der Tauber oder Regensburg mangelt es uns in Bayern wahrlich nicht. Doch nicht nur nördlich von München findet ihr solch altertümliche Perlen, sondern auch südwestlich am Rande des Allgäus, abseits der touristischen Massen. In Kaufbeuren könnt ihr ebenso wie in Rothenburg die alte Stadtmauer begehen, die sagenumwobenen Türme bewundern und ein festliches Highlight erleben.
Mittelalterliche Bauten

Spätestens ab 1333 war Kaufbeuren von einer ca. 1,6 Kilometer langen Ringmauer umgeben zu der neun Wehrtürme und drei Tore gehörten. Heute stehen noch fünf dieser neun Türme und ein 200 Meter langer Wehrgang ist übrig geblieben. Er verläuft zwischen St. Blasius-Kirche und Fünfknopturm und ihr könnt ihn begehen, wobei ihr euch wie eine mittelalterliche Wache fühlt. Der Fünfknopfturm trägt neben seinem eigentlichen Dach vier weitere kleine spitze Dächer an den Ecken des Turms, daher auch sein Name. Er diente der Stadt früher als Sitz der Feuerwache und war bis 2014 noch bewohnt. Heute führen die ehemaligen Bewohner Turmführungen durch, an denen ihr von April bis Oktober teilnehmen könnt. Am Fuße des Turms findet im Advent außerdem ein mittelalterlicher Weihnachtsmarkt statt.
Neben dem Fünfknopfturm verfügt Kaufbeuren aber noch über vier weitere: Den Blasiusturm, den Gerberturm, den Sywollenturm und den Hexenturm. Letzterer soll einer Sage nach Treffpunkt der ortsansässigen Hexen gewesen sein. Aus dem Turm ertönte laute Musik und die Hexen tanzen auf dem Vorplatz bis in den Morgengrauen. Tatsächlich kam es in 1591 zu Hexenprozessionen in Kaufbeuren, bei denen 10 Frauen im Feuer starben.
Mitten in der Altstadt von Kaufbeuren steht das Crescentiakloster der Franziskanerinnen. Hier lebte die Heilige Maria Crescentia Höss, die zur Oberin des Klosters wurde. Ihre Heiligsprechung erfolgte erst Jahrhunderte nach ihrem Tod in 2001. Auf dem 90 Kilometer langen Crescentia-Pilgerweg könnt ihr einige der wichtigsten Stationen ihres Leben abgehen, wozu natürlich auch Kaufbeuren als ihr Geburtsort und ihre Wirkungsstätte gehört.
Mittelalterliche Tradition

Die Sehenswürdigkeiten sind nicht das einzige mittelalterliche Relikt in Kaufbeuren. Das jährlich gefeierte Tänzelfest ging vermutlich aus den mittelalterlichen Zunftfesten hervor und gilt heute als das älteste Kinderfest in Bayern. Jedes Jahr im Jul vor Beginn der Sommerferien richtet Kaufbeuren das Tänzelfest aus und lässt den alten Brauch wiederaufleben. Den Auftakt macht das Tanzrondell auf dem Festplatz, bei denen Kinder traditionelle Tänze vorführen. Danach verwandelt kehrt Kaufbeuren für zwei Tage mit dem Lagerleben in die Zeit als mittelalterliche Reichsstadt zurück. Hier zeigen Handwerker ihre Stücke und Artisten ihr Können.
Auf das Lagerleben folgt eine Spielszene vor dem Rathaus, die die Legende Kaiser Maximilian I. wiedergibt, der der Stadt das Fest gestiftet haben soll. Im Anschluss an das Spiel erfolgt der Festzug als Höhepunkt und es gibt weitere Tanzvorführungen. Zu guter Letzt wird der Festplatz für 10 Tage zu einem Volksfest mit Fahrgeschäften und Zelt, wo ihr euch nach Herzenslust vergnügen könnt. Ob Autoscooter, Flip Fly oder Kettenflieger, hier ist für jedes Adrenalinlevel etwas geboten. Den großen Abschluss macht das Feuerwerk, mit dem sich das Tänzelfest bis zum nächsten Jahr verabschiedet. Heuer könnt ihr das Tänzelfest in Kaufbeuren vom 09. bis 20. Juli besuchen.
Auch abseits der Feierlichkeiten ist Kaufbeuren einen Besuch wert. Neben den Türmen, der Mauer und dem Kloster gibt es noch weitere Sehenswürdigkeiten, wie das hübsche rosa Rathaus und den imposanten Neptunbrunnen. Kaufbeuren ist mit dem Auto ca. 70 Minuten von München entfernt, etwa auf halber Strecke zu Lindau. Die Stadt schwäbische Stadt nennt sich selbst auch „Tor zum Allgäu“, da sie direkt an der Grenze liegt. Trotzdem zählt Kaufbeuren noch zur Metropolregion München und wird ab 2027 sogar Teil des MVVs.