Selbst in unserem heutigen digitalen Zeitalter, in dem wir alle ein Smartphone mit uns herumtragen, erfreuen sich analoge Uhren in manchen Kreisen noch großer Beliebtheit. Sie gelten als Sammlerstücke, Statussymbole oder dienen als Schmuck zur Zierde. Vor allem die Schweiz ist heute für ihre Uhren bekannt und mit Marken wie Rolex oder Breitling weltweit vertreten. Doch auch in Bayern war das Uhrenhandwerk einst von großer Bedeutung und das gar nicht so weit von München entfernt. In Friedberg bei Augsburg lebten früher hunderte Uhrmacher, deren Stücke allseits bekannt und beliebt waren. Von dem alten Ruhm gibt es heute noch Spuren in der Stadt und darüber hinaus einige andere Sehenswürdigkeiten, die ihr hier entdeckt.
Die Uhrmacherstadt in Schwaben

Friedberg wurde erstmals 1264 erwähnt und entstand rund um das gleichnamige Schloss der Wittelsbacher. Durch seine Lage als Nachbarstadt zu Augsburg kam es oft zu Auseinandersetzungen in der Stadt zwischen den Bayern und den Schwaben. Die Uhrenproduktion brachte einen Aufschwung, wobei diese bereits im 16. Jahrhundert begann. Eine Pestwelle sowie der 30-jährige Krieg machten dem jedoch jäh ein Ende. So kam die Blütezeit der Friedberger Uhrmacher erst im 18. Jahrhundert. Von 1745 bis 1800 boomte das Handwerk in der Stadt und hunderte Uhrmacher waren in Friedberg tätig, wovon heute 375 bekannt sind.
Von Taschenuhren über Telleruhren bis hin zu Kutschenuhren fertigten sie Stücke zu allen erdenklichen Verwendungszwecken. Die bayerischen Uhren waren damals unter Liebhabern bekannt und beliebt und auch heute erfreuen Sammler sich noch an Fertigungen aus Friedberg. Ab dem 19. Jahrhundert traten jedoch zusehend die Schweiz, Frankreich und Großbritannien auf den Plan. Die Friedberger Uhrmacher versuchten dem entgegen zu wirken, in dem die ihre Namen änderten und „Paris“ oder „London“ in die Gehäuse gravierten, doch es nützte nichts. Schließlich wanderten viele der Uhrmacher ab und gingen ins Ausland. Heute bewundert ihr einige ihrer Werke im Stadtmuseum im Wittelsbacher Schloss und erfahrt noch mehr Spannendes über ihre Geschichte.
Barockes Friedberg

Auch wenn ihr euch weniger für Uhren interessieren solltet, so lohnt sich ein Ausflug nach Friedberg definitiv. Die hübsche Altstadt säumen barocke Häuserensembles und im Zentrum liegt der Marienplatz mit Mariensäule und Brunnen. Hier ragt auch der Renaissancebau des Rathauses auf, in dem noch immer die Stadtverwaltung sitzt. Das Wittelsbacher Schloss solltet ihr euch ebenfalls nicht entgehen lassen, mit oder ohne Museumsbesuch. Und natürlich dürft ihr keinesfalls die Wallfahrtskirche Herrgottsruh verpassen, die als eine der schönsten Rokokokirchen Bayerns gilt. Von Außen beeindruckt der Bau bereits mit seinem runden Chor und dem hohen Turm. Das Innere zieren wiederum Fresken, Stuckaturen und Golddetails.
Ein weiterer sehenswerter Wallfahrtsort ist die Kapelle Maria Alber, wo ihr im Inneren ebenfalls ein Deckenfresko sowie die mit Stuck gestaltete Laternenkuppel. Solltet ihr mit den heiligen Stätten nicht so viel anfangen können, schaut stattdessen bei der alten Stadtmauer vorbei. Deren Türme sind fast alle noch erhalten und ihr könnt ein Stück auf ihrem Wehrgang entlang spazieren. Und auf feiern könnt ihr in Friedberg: Jedes Jahr im August erklingt Jazz und Klassik beim Friedberger Musiksommer und alle drei Jahre findet das große Altstadtfest statt. Letzteres gehört zu den größten historischen Festen Schwabens und auch die Uhrmacher spielen hier natürlich eine Rolle.