In Bayern gibt es so manche Orte, die sich mit dem Ausland vergleichen lassen. München bezeichnet sich selbst gern als nördlichste Stadt Italiens, in Lindau schlendert ihr die Bayerische Riviera entlang und der Königsee erinnert an einen norwegischen Fjord. Dabei kommen auch die Frankophilen unter euch nicht zu kurz, den im Norden des Bundeslands befindet sich das „bayerische Nizza“, wie Ludwig I. es schon nannte. Aschaffenburg besticht aber nicht nur durch mediterranes Ambiente und prächtige Bauten, sondern auch durch seine spannende Mischung aus fränkischer und hessischer Kultur.
Südländisches Klima in Unterfranken

Aschaffenburg ist zweifellos eine schöne Stadt, hat auf den ersten Blick jedoch nur wenig mit der Metropole an der Côte d’Azur gemein. Fachwerkhäuser, Kirchen und die barocke Johannisburg prägen das Stadtbild. Als Ludwig den Ort 1826 das erste Mal besuchte, soll er ihn aufgrund seines milden Klimas mit Italien verglichen und „Bayerisch Nizza“ getauft haben – obwohl Nizza damals schon zu Frankreich gehörte. Das hielt ihn jedoch nicht davon ab, die Römervilla Pompejanum erbauen zu lassen, die der Casa dei Dioscuri in Pompeji nachempfunden war. Sie war nicht als Wohnsitz gedacht, sondern diente als Anschauungsobjekt und dem Studium antiker Architektur.
Noch heute thront diese als eines der Wahrzeichen von Aschaffenburg am Mainhochufer und ist wohl der Ort der Stadt, der das meiste mediterrane Flair versprüht. Kein Wunder, denn der Garten ist ebenso südländisch nachempfunden, wie das Haus selbst. Hier stehen Feigen- und Mandelbäume, Araucarien, Säulenpappel und Kiefern. Unter euch erstrecken sich die Reben des Weinbergs sowie der blaue Main. Bei einem Besuch am Pompejanum vergisst man tatsächlich für einen Moment, dass man in Bayern ist und fühlt sich wie an der Riviera.
Hybride Kultur in Aschaffenburg

Schlendert ihr weiter durch den Garten rund um das Pompejanum, erreicht ihr das Schloss Johannisburg, einen Renaissancebau aus dem 17. Jahrhundert, der die mittelalterliche Vorgängeranlage ablöste. Das imposante Bauwerk umschließt als Viereck einen Innenhof und verfüg an jeder der Ecken über einen Treppenturm. Darüber hinaus gibt es auch einen gotischen Bergfried, der ein Überbleibsel der alten Burg darstellt. In der Johannisburg befindet sich heute die Staatgalerie Aschaffenburg, die vor allen für Kunstliebhabende spannend sein dürfte.
In der Altstadt von Aschaffenburg findet ihr neben hübschen Fachwerkhäusern und süßen Gässchen mit Kopfsteinpflastern viele Kneipen. Hierin zeigt sich die Mischung aus hessischer mit bayerischer Kultur: Zu trinken gibt es nicht nur Weißbier, sondern auch Äppelwoi. Klassisch fränkisch wird es wiederum mit schoppen, denn ihr am besten direkt am Mainufer genießt. Auch sprachlich dürfte Aschaffenburg für so manchen Besucher eine Überraschung sein, denn der Dialekt ist hessisch. Trotzdem fühlen sich die Bewohner der Stadt vor allem mit den Franken verbunden, schließlich sind sie selbst welche. Aschaffenburg ist in jedem Fall einen Abstecher wert und bringt euch nicht nur südfranzösisches Lebensgefühl, sondern auch eine kulturelle Mischung aus Unterfranken und Südhessen.