München gilt allgemeinhin als schöne Stadt; es gibt sie jedoch auch hier, die weniger geschätzten Ecken. Eine solche Ecke ist das südliche Bahnhofsviertel, in dem soziale Probleme auf Kultureinrichtungen treffen. Hier reiht sich Hotel an Hotel, aber auch Spielhalle an Spielhalle. Die Nachbarschaft ist gut besucht, aber nicht unbedingt beliebt, macht sie doch auch immer wieder durch negative Nachrichten von sich Reden. Das Bahnhofviertel polarisiert, nicht nur durch seine Einrichtungen. Ein neues Image soll her, und dazu gehört neben baulichen Veränderungen auch ein neuer Name: Willkommen im Central Quartier!
Neues Jahr, neuer Name?

Die Initiative „Zukunft Bahnhofviertel“ hatte bereits vor Monaten einen Aufruf gestartet, um den neuen Namen für die Nachbarshaft zu finden. Über 600 Einreichungen habe es im Zuge dieses Wettbewerbs gegeben. Von Monaco Nova über Mosaikviertel bis hin zu Wiesnviertel waren allerlei kreative Vorschläge dabei. Nun gab die Initiative zuletzt den Gewinner bekannt und lud dazu ins Deutsche Theater ein. Die Wahl fiel auf „Central Quartier“.
„Central“ zum einen natürlich wegen seiner zentralen Lage, zum anderen aber auch wegen des Münchner Centralbahnhofs, wie der Hauptbahnhof einmal hieß. Dieser wurde 1849 eingeweiht, nachdem der vorherigen Bahnhof 1847 abgebrannt war. „Quartier“ wiederum bezieht sich auf die Überschaubarkeit der Gegend, die den heutigen Identifikationsräumen einer Nachbarschaft besser entspreche.
Ein Viertel im Wandel
Ein neuer Name allein macht jedoch noch längst kein neues Viertel. Einerseits bleibt fraglich, inwiefern die Münchnerinnen und Münchnern diesen überhaupt annehmen und verwenden. Andererseits muss das Viertel sich selbst verändern, wozu auch gehört, sich der jetzigen Probleme weiterhin anzunehmen. Auch die Neu- und Umbauten sind Teil des Wandels, den das Viertel gerade durchlebt.
Schon seit geraumer Zeit befindet sich der Münchner Hauptbahnhof im Umbau. 450.000 Personen nutzen diesen täglich; zehnmal so viele wie im Viertel beheimatet sind. Mit Fertigstellung der zweiten Stammstrecke soll sich diese Zahl sogar fast verdoppeln. Auch die Hackerbrücke soll bis 2030 saniert werden und könnt danach autofrei bleiben.
Darüber hinaus entstehen derzeit 250.000 Quadratmeter neue Büroflächen. Somit soll das Central Quartier auch für Unternehmen attraktiver werden. Die Initiative „Zukunft Bahnhof“, die aus einem Forschungsprojekt der TUM hervorging, sieht großes Potenzial in der Nachbarschaft, die sich nun in deren neuem Namen widerspiegelt. Es bleibt spannend, wie es mit dem Central Quartier in München wietergeht.