In München stehen zahlreiche Bauwerke, die schon mehrere Jahrhunderte auf dem Buckel haben und bis heute mit ihrem mittelalterlichen oder barocken Charme begeistern. Aber auch Gebäude aus der jüngeren Vergangenheit prägen das Stadtbild und zeigen, dass auch moderne Architektur Kultstatus erreichen kann. Populäre Beispiele hierfür sind das Arabellahaus oder der BMW-Vierzylinder am Olympiapark. Zweiteres sieht nicht nur spektakulär aus, sondern hat auch eine spannende Baugeschichte.
Von oben nach unten

Der Bau des BMW-Hochhaus entstand ab 1968 am Petuelring und war 1973 bezugsfertig. Äußerlich stellte man das Gebäude dagegen bereits im Vorjahr zum Start der Olympischen Spiele fertig. Architekt war der Österreicher Karl Schwanzer, der sowohl das neue Hauptquartier als auch das BMW-Museum plante. Der Firmensitz ist als Vierzylindermotor konzipiert und besteht entsprechend aus vier langen zylinderförmigen Gebäudeteilen. Anstatt diese wie üblich von unten nach oben zu bauen und Stockwerk für Stockwerk aufeinander zu setzen, ging man umgekehrt vor. Einzelne Gebäudeteile wurden am Boden konstruiert und fertiggestellt, dann hydraulisch nach oben gezogen.
Dies sparte einerseits Zeit und ermöglichte es andererseits, auf große Gerüste zu verzichten. Tatsächlich stehen die Zylinder nicht auf dem Boden, sondern hängen an vier Stahlbetonsäulen, die sich in deren Innerem verbergen. Mit seinen 101 Metern war der BMW-Vierzylinder bei seiner Fertigstellung außerdem das höchste Bürogebäude Münchens, bevor das Hypo-Hochhaus im Arabellapark ihn Ende der 1970er ablöste. Seit 1999 steht der Bau unter Denkmalschutz, von 2004 bis 2006 fanden umfassende Sanierungen statt.
Der BMW-Vierzylinder als Filmkulisse
Über 50 Jahre ist das Hauptquartier des bayerischen Autobauer mittlerweile alt, doch steht heute wie damals für Innovation und Ingenieurskunst. Zum Jubiläum vor drei Jahren führten 12 Tänzerinnen und Tänzern an der Fassade des Gebäudes eine eindrucksvolle vertikale Performance vor. Denn diese Fassade prägt das Stadtbild ebenso wie die Frauenkirche oder der Alte Peter. Und auch in Filmen war der BMW-Filmzylinder schon zu sehen. Im amerikanischen Science-Fiction-Film „Rollerball“ aus 1975 stellt es die Zentrale eines Megakonzerns dar. Der italienische Horrorfilm „Suspiria“ aus 1977 zeigt das Gebäude hingegen im Hintergrund als Messecenter. Auch andere Münchner Orte dienen dem Gruselstreifen als Schauplatz, wie beispielsweise das Müller’sche Volksbad oder das Hofbräuhaus.
Direkt neben dem BMW-Vierzylinder liegt das BMW-Museum, in dem sich Fans der Automarke über deren Geschichte informieren können. Aufgrund seiner Form trägt das Museum die Spitznamen „Salatschüssel“ oder „Weißwurstkessel„, doch auch dessen Architektur ist nicht minder beeindruckend. Seit 2007 komplettiert die BMW-Welt auf der anderen Straßenseite das Ensemble und lockt mit freiem Eintritt. Egal ob ihr euch für Autos oder für Architektur interessiert, rund um den Petuelring kommt ihr in jedem Fall auf eure Kosten.