Die größten Musikstars der Welt kommen aus den USA oder Großbritannien und produzieren ihre Werke in ihrer Heimat – könnte man zumindest meinen. Tatsächlich aber sind zahlreiche internationale Hits der 1970er und 1980er im schönen München entstanden. Damals befanden sich im Untergeschoss des Arabellahauses die legendären Musicland Studios, in denen die Größen der Branche zu Gast waren. Nun gibt es neue Pläne für das ikonische Hochhaus, dem eigentlich der Abriss gedroht hatte.
München schreibt Musikgeschichte

Wo einst Schafe grasten, entstand von 1966 bis 1969 das Arabellahaus in Bogenhausen nach dem Vorbild amerikanischer Boardinghäuser. Rund um das 75 Meter hohen Wohngebäude mit seinen 23 Stockwerken entstand im Laufe der Jahre der Arabellapark, quasi eine eigene kleine Stadt in der Stadt. Zum Auftakt der Olympischen Spiele 1972 wurde ein großer Teil der Wohnungen im Arabellahaus in ein Hotel umgewandelt, das mit seinen 446 Zimmern bis heute eines der größten der Stadt ist. Zur selben Zeit nahmen die Musicland Studios im Untergeschoss des Gebäudes ihren Betrieb auf und sollten schnell Legendenstatus erreichen.
Gründer des Tonstudios war der Produzent Giovanni Giorgio Moroder, dessen Geschichte Daft Punk in ihrem Song „Giorgio by Mordoder“ verewigten. Moroder nahm in seinem Münchner Studio zahlreiche Songs und Alben mit großen Stars auf und schrieb hier Musikgeschichte. In den Musicland Studios waren unter anderem Deep Purple, Elton John, Queen, die Rolling Stones, Led Zeppelin, Falco und Iron Maiden zu Gast. Auch das Solo-Album „Mr. Bad Guy“ von Freddie Mercury entstand hier, als dieser in München lebte.
1977 arbeitete Moroder mit Donna Summer zusammen und schuf mit ihr zusammen den Song „I Feel Love“, der als Pionierstück der Eurodisco und Vorreiter von Genres wie Techno und House galt. Mitte der 1980er zog der italienische Produzent in die USA und Reinhold Mack nahm seinen Platz im Arabellahaus ein. Als die Miete für das Studio 1987 jedoch um 100% erhöht werden sollte, zog auch Mack nach Amerika und die Musicland Studios waren Geschichte.
Die neuen Pläne für Arabellahaus
Die Musicland Studios gibt es seit fast 40 Jahren nicht mehr, trotzdem hat das Arabellahaus in München fast schon Kultstatus. Seine Fassade prägt das Stadtbild und macht es zu einem der ikonischsten Gebäude des 20. Jahrhunderts. Umso größer war der Schock, als plötzlich die Rede vom Abriss war. Nach 50 Jahren hätte der Bau das Ende seines Lebenszyklus‘ erreicht und sollte durch einen Neubau ersetzt werden. Der Abbruch war für dieses Jahr geplant gewesen, doch zur Freude vieler kam es anders. Eine neue Bewertung ergab, dass es weniger schlecht um die Statik des Hochhauses steht, als ursprünglich angenommen. Daher ist eine umfassende Sanierung möglich, die bis 2034 abgeschlossen sein sollen.
Aktuell befinden sich neben dem Sheraton Hotel und 500 Wohnungen auch verschiedene Einzelhandelsgeschäfte und das höchste Spa Münchens in dem Gebäude. Nach der Sanierung sollen wenn möglich wieder verschiedene Einrichtungen unter einem Dach Platz finden. Die Dachterrasse soll dann durch die neue Außenrolltreppe für die Öffentlichkeit zugänglich sein und einen Ort zum Verweilen bieten. Bis 2030 müssen die derzeitigen Mieterinnen und Mieter das Arabellahaus verlassen, ab dann soll es an die Umsetzung der Pläne gehen.