Er ist imposant anzusehen, der Bau des Bayerischen Hauptstaatarchivs in der Schönfeldstraße. Wo heute die Geschichte unserer Bundeslands dokumentiert liegt, befand sich früher die Bank einer stadtbekannten Betrügerin. Adele Schönfeld machte sich die finanzielle Not der Menschen zu nutze und verwickelte Zehntausende in ein Schneeballsystem. Damit ging sie als bekannte Betrügerin in die Geschichte Münchens ein.
Von der Schauspielerin zur Bankerin

Adele Spitzeder war die Tochter von Josef und Betty Spitzeder, die sich beide als Schauspieler und Sänger verdingten. Zunächst eiferte Adele ihren Eltern nach und versuchte sich ebenfalls auf der Bühne als Volkssängerin und Schauspielern. Trotz Engagements ins ganz Deutschland blieben der große Erfolg und damit auch das Geld aus. So kam es, dass sie 1896 im Gespräch mit einer armen Zimmermannsfrau eine findige Idee hatte. Sie versprach der Frau in einem Monat 30% Zinsen, wenn diese ihr ihr Erspartes anvertraute, die ersten 20% bekäme sie sofort. Die arme Frau ließ sich darauf ein und gab Adele 100 Gulden, wovon sie 20 Gulden zurückbekam.
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Damit war die Spitzederische Privatbank geboren, die Adele zunächst in ihrem Hotelzimmer betrieb. Statt das Geld tatsächlich gewinnbringend anzulegen und zu vermehren, zahlte sie die Zinsen einfach aus den Einzahlungen der anderen Kunden aus – ein klassisches Schneeballsystem. Da sie die Zinsen direkt bar auszahlte, war der Andrang groß. Sowohl durch Mundpropaganda als auch durch fünfstellige Zahlungen an die Presse durch Adele Spitzeder selbst wurde ihre Bank schnell zum heißen Tipp. Schließlich eröffnete sie eine richtige Filiale in der Schönfeldstraße 9 am Englischen Garten, die sie zuvor hatte aufwendig umbauen lassen. Zu Spitzenzeiten verfügte die Bank über 83 Angestellte und führte mehr als 1.000 Wechsel am Tag durch.
Das Ende der Spitzederischen Privatbank

Während manche Bauern sogar ihre Höfe verkauften, um von den Zinsen zu leben, kaufte Adele Spitzeder selbst mehrere Anwesen in ganz Bayern. Sie inszenierte sich als Wohltäterin, spendete und eröffnete die Volksküche am Platzl. Lange konnte sie den Schein jedoch nicht aufrecht erhalten und immer mehr Rufe wurden lauter, die sie eine Betrügerin nannten. Als schließlich 60 Gläubiger auf einmal ihr Geld verlangten, flog der Schwindel endgültig auf. Die Bank konnte nicht zahlen und im November 1872 wurde Spitzeder verhaftet. Sie hatte den ersten dokumentierten Ponzi-Betrug Deutschlands und wahrscheinlich sogar weltweit begangen.
Mehr als 32.000 Menschen hatte Adele um insgesamt 38 Millionen Gulden gebracht und ruinierte durch ihre Geschäfte sogar ganze Gemeinden. Sie verbüßte ihre Strafe im Gefängnis an der Baaderstraße und versuchte sich nach ihrer Entlassung wieder als Volkssängerin. 1895 starb sie an Herzversagen und liegt seither auf dem Alten Südfriedhof begraben. Ihre Bank in der Schönfeldstraße ist heute Teil des Gebäudekomplexes, der zum Bayerischen Hauptstaatsarchiv gehört. Hier dokumentieren rund 4,1 Millionen Arichvalien die Geschichte des Freistaats und stehen euch nach Anmeldung zu Forschungszwecken und Recherchearbeiten zur Verfügung.