Zwischen all den hübschen bunten Fassaden der umgebenden Altbauten, fällt das graue Zerwirkgewöble mit seiner schlichten Architektur direkt auf. Man sieht bereits auf den ersten Blick, dass dieses Gebäude eine lange Geschichte erzählt, denn im Mauerwerk zeichnen sich Risse ab und dunkle Fresken schmücken die Wände. Tatsächlich gilt es nach dem Alten Hof als das zweitälteste erhaltene Gebäude der Stadt und steht als solches unter Denkmalschutz. Doch aktuell fristet der historische Bau ein eher trauriges Dasein zwischen notwendiger Sanierung und geplantem Verkauf.
Ein Gebäude, viele Funktionen
Wann genau das Zerwirkgewölbe entstand, lässt sich nicht genau feststellen. Eines der Fresken verweist auf 1264, belegen lässt sich dies allerdings nicht. Man geht jedoch davon aus, dass das Gebäude in jedem Fall zur Zeit von Ludwig dem Strengen erbaut wurde, der zwischen 1255 und 1294 herrschte. Somit stammt der Bau wohl aus dem späten 13. Jahrhundert, was ihn zum zweitältesten der Stadt macht. Er liegt in der Ledererstraße am Durchgang zum Alten Hof, zu welchem er ursprünglich gehörte. Im 16. Jahrhundert war es wiederum Teil des herzoglichen Falkenhauses, dann erwarb Hofbaumeister Matthias Schlichtinger das Gebäude.
Ab 1733 wiederum war es ein Nebengebäude des Hofbräuhauses, das sich ganz in der Nähe am Platzl befindet. Hofbräu nannte den Bau Herzog-Ludwigs-Haus, seinen heutigen Namen erhielt er erst ab 1808, als er als Hofzerwirkgewölbe diente. Unter „zerwirken“ verstehen Jäger das Zerlegen und Präparieren von Wild zur späteren Zubereitung von Speisen. Die Funktion als Zerwirkgewölbe behielt es bis ins 20. Jahrhundert bei. Zu dieser Zeit entstanden auch der Schriftzug über dem Eingang sowie die beiden Fresken, die auf den damaligen Nutzungszweck verweisen und Jagdszenen mit Wild zeigen.
Das moderne Zerwirkgewölbe

Im späteren 20. Jahrhundert kamen dem Zerwirkgewölbe wieder neuen Funktionen zu, auch wenn der Name blieb. So diente es zunächst als Studiobühnen, bevor 2005 ein großer Umbau anstand. Die Innenräume wurden im Kontrast zum historischen Äußeren gestaltet und zu einem Club, einem Veranstaltungsaal und einem Restaurant umfunktioniert. Das große, charakteristische Gewölbe im Untergeschoss blieb dabei erhalten. Bis 2019 gab es ein wechselndes gastronomisches Angebot im Zerwirkgewölbe, seither steht das Gebäude leer.
Wie es in Zukunft damit weitergehen soll, bleibt unklar. Eigentlich müsste der Bau dringend saniert werden: Risse ziehen sich durch die Fassade, die Passanten stellenweise spaßeshalber mit Pflaster überkleben. Der Freistaat will das Haus stattdessen seit Jahren verkaufen, bisher wenig erfolgreich. Die Idee für ein Mini-Hofbräuhaus stand zuweilen auch im Raum, diese hatte man aber wieder verworfen. Es bleibt abzuwarten, was in Zukunft mit dem Zerwirkgewölbe passiert und ob ihr das historische Bauwerk dann wieder von Innen betrachten könnt.