Wer nicht in Haidhausen lebt, kommt vermutlich nur selten hierher, beispielsweise um die Auer Dult zu besuchen oder die Rocky Horror Picture Show im Museum Lichtspiele zu sehen. Der charmante Stadtteil östlich der Isar hat dabei noch so viel mehr zu bieten, für das es sich lohnt, einen Abstecher zu machen. Dazu gehören die ehemaligen Herbergsgebäude entlang der Preysingstraße, die ein besonderes Stück Stadtgeschichte erzählen.
Das alte Haidhausen
Im 17. und 18. Jahrhundert gehörte Haidhausen noch nicht zur Stadt München, sondern war ein Vorort, dessen Bewohner zum arbeiten in die Stadt pendelten. Deshalb standen hier früher viele kleine Wohnhäuser und Herbergen, die nur über ein oder zweit Stockwerke verfügten und meist aus Holz oder Stein gebaut waren. In die Herbergen konnten sich Tagelöhner oder Reisende einmieten, die nur für kurze Zeit in München arbeiteten, bevor sie weiterzogen.
Während des Zweiten Weltkrieges wurde Haidhausen in weiten Teilen zerstört, so auch einige der Stein- und Holzhäuschen. Andere überstanden zwar den Krieg, mussten aber größeren Mehrparteienhäusern weichen. Geblieben sind das Üblacker Häusl und der Kriechbaumhof in der Preysingstraße, die euch noch einen Blick in das alte Haidhausen gewähren.
Das Üblacker Häusl

Das kleine Steinhaus entstand Ende des 18. Jahrhunderts als Herberge und befand sich ab 1894 im Besitz von Johann Üblacker. Dem Kohlehändler verdankt das Haus somit seinen heutigen Namen. Rund 70 Jahre später erwarb die Stadt München es, eigentlich mit dem Ziel es abreißen zu lassen, doch der Bezirksausschuss Au-Haidhausen wusste dies zu verhindern. Nach dem der Bau in den 1970ern aufwendig saniert worden war, fand 1980 die Eröffnung als Museum statt.
Im Obergeschoss des Üblacker Häusl befindet sich heute noch immer eine Wohnung. Dagegen wurden im Erdgeschoss zwei Räume als Museum ausgebaut, die das Leben der Tagelöhner nachbilden. Daneben gibt es auch Wechselausstellungen im ehemaligen Ziegenstall, in der ihr Kunst betrachten könnt. Getreu dem Motto „Kunst trifft Geschichte“ wird das Üblacker Häusl so zu einem einzigartigen Kulturort.
📍 Ort: Preysingstraße 58, 81667 München
🕐 Öffnungszeiten: Mittwoch & Donnerstag 17 bis 19 Uhr, Freitag & Sonntag 10 bis 12 Uhr
💶 Preisinformation: Eintritt frei
Der Kriechbaumhof

Der Kriechbaumhof ist das ältere der beiden Gebäude und entstand bereits im 17. Jahrhundert. Der Holzbau diente als Herberge für Tagelöhner und stand eigentlich in der Wolfgangstraße. Aufgrund von Bauffälligkeit musste das Haus jedoch abgetragen werden. Man lagerte die Einzelteile ein und baute das Haus 1985 in der Preysingstraße 71 wieder auf. Der originalgetreue Wiederaufbau kostete stolze 1,1 Millionen D-Mark. Bis in die 1970er war es bewohnt, ehe man es abbaute. Heute gehört das Haus dem Deutschen Alpenverein, der er als Vereinsheim für seinen Nachwuchs nutzt.
Wenn ihr euch also auf eine kleine Zeitreise begeben wollt, macht einen Sparziergang durch Haidhausen. Wenn ihr die Augen offen haltet, könnt ihr einige historische Schätze entdecken und bei Gelegenheit könnt ihr auf einen kleine Stopp ins Üblacker Häusl einkehren.