München hat viele Kinos, die von den großen Blockbustern über Independent-Produktionen bis ihn zu Arthouse-Filmen das gesamte Spektrum des Bewegtbilds abdecken. Eines dieser Kinos sticht aber sowohl durch seine Saal-Gestaltung als auch durch einen besonderen Programmpunkt hervor. Das älteste noch betriebene Kino Münchens blickt zurück auf eine lange Geschichte voller Höhen und Tiefen, die es heute zu einer ikonischen Perle machen.
Die ersten Jahrzehnte
1910 gründete Carl Gabriel „Gabriels Tonbildtheater“ in der Au am Ufer der Isar. Nach „Gabriels Filmtheater“ in der Maxvorstadt war dies bereits sein zweites Kino in München. Bis 2019 war dies das älteste Kino in München, da es aber schließen musste, ging der Titel an das Haus in der Au. Auch das Kino am Sendlinger Tor geht auf Carl Gabriel zurück, ebenso wie einige Oktoberfestattraktionen, darunter das Teufelsrad und die Hexenschaukel.
Das Tonbildtheater war zunächst nicht nur ein reines Kino, sondern beheimatete des Weiteren ein Varieté-Theater. Bis zu seiner vorübergehenden Schließung zum Ende des Zweiten Weltkriegs lief hier das übliche Vorstadtkinoprogramm. 1946 eröffnete es wieder, damals mit Alfred Hitchcock’s „Im Schatten des Zweifels“ im Programm. Zunächst erlebte Kino einen Boom, doch mit dem Aufkommen der Heimfernseher rutschten die Lichtspielhäuser gegen Ende der 1950er allmählich in die Krise. Davor war auch das Tonbildtheater nicht gefeit, doch man konnte sich irgendwie durchschlagen.
In den 1970ern spezialisierte man sich schließlich auf Musik- und Tanzfilme, doch auch das lockte nur wenige Besucher an. So entschloss man sich einen Teil der Räumlichkeiten an Beate Uhse unterzuvermieten. Dann nimmt das Museum Lichtspiele im Juni 1977 einen Film ins Programm, der es in eine neue Ära befördert. Bereits seit 1918 trägt das Kino seinen heutigen Namen, den es der Nähe zumDeutschen Museum verdankt.
Die Rocky Horror Picture Show im Museum Lichtspiele
Die Vorführung der Rocky Horror Picture Show im Museum Lichtspiele wurde zu einem überraschenden Erfolg. Dieser war so groß, dass der Film dauerhaft im Programm blieb. 1980 gestaltete der damalige Betreiber Hartmut Hinrichs den Kinosaal 2 passend zum Film um. Die extravagante Gestaltung machte den Saal ikonisch und schuf eine unweigerliche Verbindung zwischen dem Kino und den Film.
Jede Woche Freitag und Samstag strahlt das Museum Lichtspiele den Film in der Originalversion aus. Einmal gab es Ärger mit dem Verleiher, weil die Vorführlizenz eigentlich abgelaufen war, doch dies ließ sich zum Glück klären. Mittlerweile ist das Kino sogar Inhaber eines Guinness World Records für die längste ununterbrochene Vorführung des Films. Wöchentlich strömen Fans und Jungfrauen gleichermaßen ins Museum Lichtspiele, um die Rocky Horror Picture Show nicht einfach bloß zu schauen, sondern zu erleben. Manche kommen in Verkleidung, manche eingedeckt mit dem nötigen Zubehör, um mitzumachen. Wer es zu Hause vergessen hat oder noch keine Ahnung vom Film hat, kann sich auch ein entsprechendes Michtmach-Paket an der Kasse kaufen.
Aber auch abseits der Rocky Horror Picture Show ist das Museum Lichtspiele einen Besuch wert. Vier Säle zählt das Kino mittlerweile, von denen drei besonders gestaltet sind. Bereits der Eingangsbereich und die Theke muten nostalgisch an und nehmen euch mit auf eine besondere Reise. Das Programm des Museum Lichtspiele ist so vielfältig, wie sein Interieur: Von Blockbustern, über nischige Filme bis hin zu einem ausgeprägten Kinderprogramm ist hier alles dabei.
