Architektonische Juwele gibt es in Bayern überall. Habt ihr schon das weltberühmte Kloster Ettal besichtigt oder den Herrenchiemseepalast, das „bayerisches Versailles“? In die Reihe von bedeutenden Bauwerken, die international bekannt sind, fügt sich auch das Schaezlerpalais in Augsburg ein. Der beeindruckende Palast ist ein herausragendes Beispiel des süddeutschen Rokoko. Er gilt sogar als das bedeutendste und am besten erhaltene private Wohn- und Geschäftshaus des 18. Jahrhunderts in Augsburg!
Berühmte Gäste in Augsburg

Das heutige Palais wurde zwischen 1765 und 1770 für den Bankier Benedikt Adam Liebert von Liebenhofen erbaut. Er hatte zuvor ein älteres Patrizierhaus abreißen ließ. Nun wollte er dort ein repräsentatives Wohn- und Geschäftshaus errichten. Für ihn als oberste Schicht in Augsburg durfte es ruhig etwas protziger sein.
Das machte sich auch in der Eröffnung bemerkbar: Die feierliche Einweihung des Festsaals fand 1770 durch Erzherzogin Maria Antonia von Habsburg-Lothringen statt – die spätere Marie-Antoinette, Königin von Frankreich. Sie war gerade auf dem Weg nach Versailles für ihre Hochzeit mit Ludwig XVI. und machte in Augsburg Station.
Das Schaezlerpalais ist ein Architekturwunder von gleich mehreren renommierten Künstler. Bei der Ausarbeitung haben Gregorio Guglielmi (Fresko im Festsaal), die Brüder Feichtmayr (Stuck), Joseph Christ (Supraporten), Placidus Verhelst (Schnitzereien) ausgeholfen. Nach dem Tod des Bankier Lieberts wurde das Palais von seinem Schwiegersohn Johann Lorenz Baron von Schaezler übernommen. Die Familie schenkte das Gebäude 1958 an die Stadt Augsburg.
Berühmte Architektur und internationale Kunst

Der wohl schönste Raum des Schaezlerpalais ist sicherlich der prunkvolle Rokoko-Festsaal. Hier ist noch immer das berühmte Deckengemälde von Guglielmi erhalten, das symbolisch den die Kontinente verbindenden Handel zeigt. Die Macht und Weltoffenheit des Hauses und seines Besitzers sollte so dargestellt werden. Die Ausstattung ist weitgehend original erhalten – Expert:innen schätzen, dass bis zu 90 Prozent des Interiors noch so sind wie damals.
Die außergewöhnlichen Details wie suitenartige Raumfolgen, stuckierte Wänden und historische Gemälden machen den Festsaal zu einer einzigartigen Sehenswürdigkeit. Er war für gesellschaftliche Anlässe gedacht, etwa Bälle, Empfänge und Besuch hochrangiger Gäste. So tanzte eben auch schon Marie-Antoinette hier auf ihrer Reise nach Frankreich.
Bemerkenswert sind auch die 67 Supraporten von Joseph Christ: Diese „Über-Tür-Gemälde“ zeigen Szenen aus Ovids Metamorphosen über 33 der Wohnungstüren. Sie greifen die Farbe der ehemaligen Seidentapeten auf. In den Räumen selbst sind Tierkreiszeichen, Jahreszeiten und Blumen dargestellt. Bis ins Detail könnt ihr hier kleine und große Kunstwerke sehen.
Ihr könnt verschiedene Museen und Sammlungen besichtigen

Seit 1945 wird das Schaezlerpalais als Museum genutzt, niemand lebt hier mehr. 1970 zog die Deutsche Barockgalerie ein. Sammlungen umfassen Werke vom 15. bis 18. Jahrhundert, Gemälde der Karl und Magdalene Haberstock-Stiftung und die Sammlung Steiner mit Hinterglasmalerei. Auch ein barocker Garten nach historischem Vorbild liegt direkt am Palais und ist öffentlich zugänglich.
Ein Besuch lohnt sich sehr: Das Schaezlerpalais ist als „Denkmal von nationaler Bedeutung“ registriert und gilt mit seinem Festsaal als bedeutendster Rokokosaal Deutschlands. Und es ist auch besonders einfach zu erreichen. Bis nach Augsburg könnt ihr problemlos mit der Bahn fahren, wie an viele andere besondere Ziele um München. Eintauchen in das kulturelle Erbe Bayerns war noch nie so einfach.