Bayern verfügt über viele schöne Weihnachtsmärkte, doch keiner ist so beliebt wie dieser: Der Nürnberger Christkindlesmarkt ist alles andere als ein Geheimtipp. Jährlich strömen Millionen Besucher in die fränkische Großstadt, um den Weihnachtsmarkt zu besuchen. Gäste aus aller Welt erfreuen sich an dem großen Markt, der mit seiner festlichen Beleuchtung, den zahlreichen Ständen und dem üppigen Bühnenprogramm zum Verweilen einlädt. Was euch heuer erwartet.
Ungeklärte Ursprünge und ein dunkles Kapitel

Heute ist der Nürnberger Weihnachtsmarkt weltberühmt, doch seine Anfänge sind nicht dokumentiert. Historiker gehen davon aus, dass er sich im 17. Jahrhundert aus dem regulären Wochenmarkt heraus zu einem eigenen eigenständigen Markt entwickelte. Dies hinge mit der Reformation zusammen, bei der sich die traditionelle Bescherung vom 06. auf den 24. Dezember verschob, was auch im evangelischen Nürnberg zur Praxis wurde. In einer Stadtgeschichte findet der Markt als „Christkendleinsmarck“ das erste Mal 1697 Erwähnung. 1737 waren alle 140 Nürnberger Handwerker dazu berechtigt, ihre Waren auf diesem Markt anzubieten.
Heutzutage kann sich der Markt vor Besuchenden kaum retten, doch das war nicht immer so. Ende des 18. Jahrhunderts verlor er zunehmend an Bedeutung, was mehrere Umzüge des Marktgeschehens zur Folge hatte. Schließlich beschloss das NS-Regime, den Weihnachtsmarkt für Propagandazwecke zu missbrauchen und ihm neues Leben einzuhauchen. Nürnberg sollte das „Schatzkästlein“ des Deutschen Reichs werden und der Christkindlesmarkt eignete sich ideal für diese Inszenierung.
Am 04. Dezember 1933 feierten der Markt auf dem damaligen Adolf-Hitler-Platz seine große Wiedereröffnung. Das Christkind rezitierte begleitet von einem Chor ein Gedicht und die Kirchenglocken läuteten. Während des Zweiten Weltkriegs bliebt Nürnberg nachts unbeleuchtet, um sich vor Luftangriffen zu schützen. Der Christkindlesmarkt fand zu dieser Zeit nicht statt; jedoch gab es Ersatz in Form des Weihnachtswaremarkts auf dem Hans-Sachs-Platz. Nach Ende des Krieges wurde der Nürnberger Christkindlesmarkt 1948 erstmals wieder veranstaltet.
Vielseitiges Angebot auf dem Nürnberger Christkindlesmarkt

Seit 1973 beginnt der Nürnberger Christkindlesmarkt am Freitag vor dem ersten Advent. Das jährlich neu gewählte Christkind eröffnet ihn mit einer Rezitation des Prologs vom Balkon der Frauenkirche aus. Das Christkind ist immer weiblich, zwischen 16 und 19 Jahren alt und muss schon geraume Zeit in Nürnberg leben. Dieses Jahr wird es durch Nora Falk dargestellt, die im Sommer die Wahl für sich entschied. Der von ihr vorgetragene Prolog ist der erste offizielle Programmpunkt des Markts. Das Christkind hat während der gesamten Dauer des Weihnachtsmarkt weitere Auftritte, sodass ihr die Chance habt, es live zu erleben.
Abgesehen vom Christkind bietet der Nürnberger Christkindlesmarkt vor allem ein musikalisches Programm. Jeden Tag könnt ihr euch gleich auf mehrere Darbietungen freuen, sei es Chorgesang, Posaunenklang oder gleich ein ganzes Orchester. Freut euch außerdem auf die Erzählungen alter Nürnberger Sagen und Geschichten aus dem Bratwurstmuseum.
Über 200 Aussteller bieten ihre Waren auf dem Markt feil und ihr könnt ihr Geschenke shoppen, Glühwein trinken, und natürlich die berühmten Nürnberger Rostbratwürste und Lebkuchen kosten. Die Lebkuchen könnt ihr aber nicht nur käuflich erwerben, sondern auch lernen, wie ihr sie selbst herstellt. Bis zu 25 Personen können an einem der zweistündigen Workshops teilnehmen und von den Bäckern und Bäckerinnen von Lebkuchen-Schmidt gezeigt bekommen, wie es geht. Wenn ihr bereits in der Patisserie Süßwahn gelernt habt, wie man Fruit Cakes herstellt, sollten die Lebkuchen ein Klacks für euch sein.
Zum Nürnberger Christkindlesmarkt gehört auch die Kinderweihnacht am Hans-Sachs-Platz, der Markt der Partnerstädte sowie das Sternenhaus. Bei der Kinderweihnacht dreht sich alles, wie der Name bereit vermuten lässt, um die Kleinen der Familie. Diese können beim Plätzchenbacken und Gläser bemalen kreativ werden und ihren Wunschzettel an das Christkinds schreiben. Den könnt ihr auch gleich persönlich abgegeben, wenn euch das Christkind auf eine Freifahrt auf dem Etagenkarussell einlädt. Im Sternenhaus könnt ihr außerdem spannenden Weihnachtsmärchen lauschen. International wird es auf dem Markt der Partnerstädte, der euch an 23 Ständen Weihnachtstraditionen aus aller Welt näher bringt.
Von München aus erreicht ihr den Nürnberger Christkindlesmarkt in etwa einer Stunde mit dem ICE oder in ca. zwei Stunden mit dem Auto. Falls ihr ein Deutschlandticket habt, empfiehlt sich die Verbindung mit dem RE, der euch in etwa einer Stunde und 45 Minuten ans Ziel bringt. Der Nürnberger Christkindlesmarkt hat täglich bis einschließlich des 24. Dezembers geöffnet.
📍 Ort: Hauptmarkt Nürnberg
📅 Termine: 28. November bis 24. Dezember
🕑 Öffnungszeiten: Täglich 10 bis 21 Uhr, am 24. Dezember 10 bis 14 Uhr