Das Angebot an Aufführungen klassischer Musik in München kann sich durchaus sehen lassen. Ob Oper, Symphonie oder Ballett, es mangelt uns an nichts und auch zu Silvester und Neujahr können wir zahlreichen Darbietungen beiwohnen. Wenn ihr aber einem Konzert lauschen wollt, das seinesgleichen sucht, solltet ihr einen Ausflug nach Österreich unternehmen.
Tradition mit dunkler Vergangenheit

Das Wiener Neujahreskonzert fand erstmals am 31. Dezember 1939 statt und war dem zuvor durch Hitler neu eröffneten Kriegswinterhilfswerk gewidmet. Das Konzert war Teil der Propagandamaschinerie von Joseph Goebbels, dessen Plan es war, Wien nach dem Anschluss Österreichs als Stadt „des Optimismus, der Musik und der Geselligkeit“ zu inszenieren. Jedoch waren die Wiener Philharmoniker Goebbels nicht unterstellt, sodass deren Engagement für das NS-Regime in großen Teilen eigenbestimmt war.
Der damalige Dirigent Clemens Krauss leitete die Konzerte bis Kriegsende und wurde 1944 in die Gottbegnadeten-Liste der Nationalsozialisten aufgenommen, die weiterer Teils von Goebbels Propagandaapparat war. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erhielt Krauss zwei Jahre Dirigierverbot durch die Alliierten und übernahm erst 1948 wieder für weitere sieben Konzerte die Leitung. Das erste Konzert nach Kriegsende am 01. Januar 1946 unter dem Dirigat Josef Alois Krips trug erstmals den Namen „Neujahreskonzert“.
Das Programm des Wiener Neujahrskonzert
Clemens Krauss war großer Liebhaber der Strauss-Dynastie, was die Neujahrskonzerte bis heute prägt. Bis in die frühen 60er spielten die Wiener Philharmoniker ausschließlich Musik der Familie Strauss bestehend aus Johann Strauss I., Johann Strauss II., Josef Strauss und Eduard Strauß. 1961 nahm das Orchester erstmals auch Werke anderer Komponisten in ihr Programm auf, der Fokus lag aber und liegt noch immer auf der Strauss-Dynastie. Des Weiteren spielen die Philharmoniker in jedem Jahr Lieder, die es zuvor in noch keinem der Neujahreskonzerte zu hören gab, sodass ihr euch immer auf etwas Neues freuen könnt.
Das Konzert gliedert sich in zwei Teile mit einer Pause dazwischen und es gibt am Ende des zweiten Teils drei Zugaben. Während es sich bei der ersten um eine freie Zugabe handelt, sind die zweite und dritte Zugabe seit 1958 traditionell der Donauwalzer „An der schönen blauen Donau“ und der Radetzky-Marsch. Bei letzterem klatscht das Publikum mit.
Das erwartet euch beim Wiener Neujahrskonzert 2026
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Von Beginn an findet das Konzert im Großen Musikvereinsaal Wien statt, der etwa 2.000 Gäste fasst. Zusätzlich wird das Konzert live in mittlerweile 150 Länder im Fernsehen und im Stream übertragen und jährlich schauen ca. 50 Millionen Menschen von zu Hause aus zu. Die Übertragung des zweiten Teils im Fernsehen durch Eurovision reicht bis 1959 zurück; zuvor gab es bereits eine Radioübertragung. Seit den frühen 90er kommen die Zuschauer zu Hause ebenfalls in den Genuss des vollen Konzerts.
Der Kanadier Yannick Nézet-Séguin gibt 2026 sein Debut als Dirigent des Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker. Das Orchester selbst hatte er in der Vergangenheit schon mehrmals dirigiert, zum ersten Mal 2010 in der Salzburger Mozartwoche.
Das Wiener Neujahrskonzert 2026 beginnt am 01. Januar um 11:15 Uhr und findet auch dieses Mal im Großen Saal des Musikvereins statt. Wie immer liegt der Fokus auf den Kompositionen der Strauss-Dynastie; andere Komponisten, auf die ihr euch freuen könnt, sind u. a. Joseph Lanner, Josephine Weinlich und Franz von Suppè. Falls ihr live vor Ort dabei seid, erreicht ihr Wien von München aus einfach mit dem Zug in ca. 4,5 Stunden. Andernfalls könnt ihr es im ZDF oder online in der Mediathek verfolgen. Und wenn ihr nicht genug von klassischer Musik bekommt, könnt ihr eines von zahlreichen Candlelight-Konzerten in München besuchen.
📍 Ort: Großer Saal, Musikvereinspl. 1, 1010 Wien
📅 Termin: 01. Januar 2026, 11:15 Uhr
💶 Preisinformation: 35€ bis 1.200€
📺 Übertragung: ZDF und ORF, sowohl im TV als auch online in den Mediatheken