München ist zweifelsohne eine lebenswerte Stadt, die durch ihre herrschaftliche Bauten, weitläufige Grünanlagen und ein reiches Kulturangebot besticht. Trotzdem sehnt ihr euch vielleicht einmal nach einem Tapetenwechsel und möchtet einen Ausflug aus der Stadt heraus unternehmen. Ein besonders sehenswerter Ort, den nicht allzu viele Tagestouristen auf dem Schirm haben, ist Kallmünz. Dieser mittelalterliche Markt wusste schon Maler wie Wassily Kandinsky und Charles Johann Palmié von sich zu überzeugen.
Die Malerkolonie in der Oberpfalz

Kallmünz ist ein Markt nahe Regensburg, der am Zusammenfluss der Vils und der Naab liegt. Seine landschaftlich reizvolle Lage sowie die mittelalterliche Architektur mit Schlösschen und Burgruine zog um die Jahrhundertwende zahlreiche Maler aus München und Berlin an. Charles Johann Palmié ließ sich 1901 in einem hiesigen Gasthof nieder, de er “Zur roten Amsel” taufte und mit seinen Künstlerfreunden aus München bemalte. Aufgrund seiner Lage zwischen Bayerischen Wald und Regensburg nannte er den Ort auch die “Perle des Naabtals”.
Bald darauf kamen weitere Künstlerinnen und Künstler nach Kallmünz und gründeten hier eine Kolonie. 1903 kamen sowohl Wassily Kandinskys und als auch Gabriele Münters in den Markt und verliebten sich ineinander. Sie wurden ein Paar und machten Kallmünz bekannt. Kadinsky entwickelte nach seinem Aufenthalt in der Stadt einen neuen Stil und begann, abstrakter zu malen. Später sollte er in Murnau am Staffelsee den Expressionismus begründen.
Besuch im malerischen Kallmünz

Ihr könnt die “Perle des Naabtals” auf einer Vielzahl von Gemälden betrachten, auf welchen der Markt verewigt wurde, etwa auf Kandinskys “Regentag in Kallmünz” oder auf Franz Skarbinas “Nachtwächter in Kallmünz”. Um die Faszination der Künstler und Künstlerinnen nachvollziehen zu können, solltet ihr jedoch selbst einen Abstecher in das Örtchen unternehmen, das im wahrsten Sinne des Wortes malerisch ist. Ihr könnt in Galerien heimische Kunst betrachten oder euch selbst inspirieren lassen.
Über Kallmünz thront die gleichnamige Burgruine, die ihr bereits von Weitem zu sehen bekommt. Von hier oben könnt ihr die Aussicht über das Naabtal genießen. Wenn ihr noch höher hinaus wollt, besteigt ihr den noch erhaltenen Bergfried. Im Schlossberg entdeckt ihr außerdem das Haus ohne Dach, die einzige möblierte Höhlenwohnung Deutschlands. Betreten könnt ihr diese leider nicht, doch die grüne Wand im schroffen Fels gibt ein tolles Fotomotiv ab. Kallmünz verfügt darüber hinaus über mehrere hübsche Schlösser, wie das Silbermannsche Schlösschen und Schloss Traidendorf. Weitere Highlights sind das alte Rathaus und die Pfarrkirsche St. Michael, die ebenfalls prägend für das Stadtbild sind.