Ein bisschen unheimlich ist sie ja schon, wie sie so da liegt und euch aus ihren aufgerissenen Augen anstarrt. Während die meisten Besucher den Alten Peter hinaufstapfen, statten andere lieber der Heiligen Munditia einen Besuch ab, die hier in der Kirche zur Schau gestellt liegt. Ihr reichverziertes Skelett übt eine unbeschreibliche Faszination aus und zieht nicht nur Gläubige an. Doch wer war die Frau und wie kam sie nach München?
Die unbekannte Märtyrerin

Die Reliquie der Munditia Protogenia stammt eigentlich aus Italien, wo sie bis 1675 in einem Nischengrab des römischen San Lorenzo lag. Sie war eine der Katakombenheiligen, deren Gebeine ab dem 16. Jahrhundert aus Rom entfernt wurden. 1675 erhielt der Ratsherr und Händler Franz Benedikt Höger die Munditia als Geschenk für die St. Peterskriche in München, wohin er sie zwei Jahre später brachte. Dabei ist nur wenig über die Heilige bekannt. Vermutlich ist sie etwa 250 geboren und 310 als Märtyrerin gestorben. Auf der Marmorplatte ihres Nischengrabs in Rom steht u. a. die Buchstabenkombination APC, was Ascia Plexa Capita bzw. „mit dem Beil enthauptet“ bedeuten könnte. Die Platte befindet sich heute ebenfalls in St. Peter.
Sie gilt als Patronin alleinstehender und wurde als solche auch in München verehrt. Die Hübschlerinnen vom Bordell am Sendlinger Tor suchten die Reliquie in ihrem gläsernen Sarg auf. Denn Munditia soll ledigen Frauen im Alltag beistehen oder ihnen dabei helfen, die Liebe zu finden. Der Kult um die Heilige erhielt 1804 jedoch einen Dämpfer, als die Münchner Ratsherren die Zurschaustellung von Reliquien verbot. Bis 1883 verbarg ein Holzschrein das Skelett, seither ist es wieder sichtbar hinter Glas. Bis heute feiert man in der Peterskirche am 17. November, dem Gedenktag der Muditia, eine Lichterprozession ihr zu Ehren. Anschließend segnet der Pfarrer die Teilnehmenden auf Wunsch, indem er den Finder der Reliquie auf deren Stirn legt.
Prunkvolle Munditia
Heute findet ihr die Munditia im linken Seitenschiff der Peterskirche, wo sie auf Kissen in einem gläsernen Sarg ruht. Auf dem Kopf trägt sie einen Schleier, am Körper eine Schärpe, die mit bunten Glassteinen übersät ist. In der linken Hand hält sie eine Feder, in der rechten einen Kelch, in dem sich ihr Blut befindet, das sie bei ihrer Hinrichtung verlor. Die reichen Verzierungen waren 1975 Anlass für einen Dieb, die Reliquie aus dem Sarg zu nehmen, die Steine zu stehlen und ihren Kopf auf einem Gitter aufzuspießen. Er muss die wertlosen Glassteine für Edelsteine gehalten haben.
Mittlerweile sitzt Munditias Kopf wieder auf ihrem Körper und starrt ihre Besucher unverwandt an. In ihrem Schädel befinden sich Glasaugen, die es so aussehen lassen, als blicke das Skelett euch entgegen. Diese Augen sind der Grund, weshalb der eine oder die andere die Reliquie als gruselig wahrnehmen. Wieder andere statten ihr bewusst einen Besuch ab, sowie sie Ludwig II. in der Wittelsbacher Gruft besuchen würden. Falls ihr eine Single-Frau auf der Suche nach der großen Liebe seid, dann solltet ihr einmal bei Munditia vorbeischauen. Vielleicht findet ihr dann ja bald euer Glück.