An Schlössern und Burgen mangelt es uns in Bayern nicht. Ob Höhlenburg oder Dornröschenschloss, ihr könnt euch an einer Fülle unterschiedlichster Bauten mit langer Geschichte erfreuen. Während manche Burgen leider nicht überlebt haben, wie die Phetine in Landsberg an Lech, sind andere umso besser erhalten. Dies gilt auch für diese Hochburg in Schwaben, die über einer malerischen Kleinstadt an der Wörnitz thront und ihr den Spitznamen „Burgstadt“ verleiht.
Die standhafte Hochburg

Harburg in Schwaben liegt zwischen Nördlingen und Donauwörth nahe des Ries-Kraters. Die Stadt befindet sich auf dem Übergang zwischen Schwäbischer Alb und fränkischem Jura und weist einen Höhenunterschied von 160 Metern auf. Höhe ist ein gutes Stichwort, denn auf der Höhe gelegen befindet sich die gleichnamige Burg Harburg. Sie entwickelte sich zunächst unabhängig von jeglicher Siedlung, was im Mittelalter äußerst selten vorkam. Erst später entstand auch die heute zugehörige Stadt.
Anders als andere Burgen überstand sie den Dreißigjährigen Krieg größtenteils unbeschadet, sie blieb jedoch trotzdem nicht gänzlich von baulichen Veränderungen verschont. Sie sollte im 18. Jahrhundert zu einer barocken Residenz umgebaut werden, was mit der Schlosskirche, dem Fürstenbau und dem Saalbau mit dem Faulturm auch geschah. Der Rest der Burg bleibt unverändert und sie behielt ihren wehrhaften Charakter. Heute könnt ihr die Harburg von Mitte März bis November besichtigen und eine Führung durch die Burg unternehmen. Aber auch außerhalb der Saison lohnt sich der Aufstieg zur Burg, um diese von außen und die Stadt von oben zu betrachten.
Doch seid gewarnt, denn angeblich soll der Teufel am Schlossberg sein Unwesen treiben. Einst sollte ein Abt des Klosters Kaisheim die besessene Tochter des Herzogs von Kärnten befreien. Ihm gelang es, ihr den Teufel auszutreiben und er sperrte diesen daraufhin in ein Glas. Dieses Glas bewahrten die Mönche 200 Jahre lang in ihrem Kloster auf, bevor ein Blitz in dieses einschlug und es zerbrach. Der Teufel konnte fliehen und ließ sich am Hang des Bergs nieder, auf dem die Harburg sich befindet.
Märchenhaftes Harburg

Darüber hinaus verfügt Harburg aber auch noch über andere Sehenswürdigkeiten. Die steinerne Brücke, die die Einheimischen auch nur als „alte Bruck“ oder „Bruck“ bezeichnen, ist ein weiteres Wahrzeichen der Stadt. Lange Zeit war sie die einzige Möglichkeit für Passanten, um trockenen Fußes von einem Ufer ans andere zu kommen. Über die Brücke und zum Marktplatz führt euch der Märchenweg und von dort zur Kirche St. Barbara und hinauf durch den Märchenwald zur Burg. Von Mai bis Oktober könnt ihr diesen Rundweg beschreiten, an dessen Rand verschiedene Märchen erzählt und bildhaft zum Leben erweckt werden.
Des weiteren solltet beim bronzenen Brunnen auf dem Marktplatz einen Abstecher machen. Dieser ist ca. drei Meter hoch und gliedert sich in drei Ebenen. Das untere Becken ist geprägt von Zunftzeichen der Handwerksberufe, die früher in der Stadt üblich waren, darunter Hufschmiede, Schäffler und Fischer. Das mittlere Becken zeigt die Stadtgeschichte und das obere die Burg. Auf der Spitze thront die Blutglocke, die im Original im Rathaus hängt und früher die Todesurteile verkündete. Das Rathaus liegt ebenfalls am Marktplatz.
Früher verfügte Harburg auch über mehrere Stadttore, fünf an der Zahl. Diese wurden 1861 bis 1863 nach und nach abgerissen, offiziell weil sie zu teuer im Unterhalt seien. Später stellte sich heraus, dass die Tore den Menschen schlicht nicht mehr gefielen. An ihrer Stelle findet ihr heute Gedenktafeln. Eine Stadtmauer hatte Harburg nie, da es beinahe vollständig von Hausmauern umgeben ist. Von München erreicht ihr Harburg in ca. 90 Minuten mit dem Auto über die A96. Mit dem RB89 Richtung Ebermergen von Pasing benötigt ihr etwa genauso lange.