Bayern ist für seine Burgen und Schlösser bekannt, aber manche stechen ganz besonders hervor. So gibt es traumhafte Märchenschlösser, die an Dornröschen erinnern oder Versailles nachempfunden sind oder rekordbrechende Anlagen wie die längste Burg der Welt. Nahe der österreichischen Grenze liegt aber eine ganz besondere Burg, die in den Fels hineingebaut wurde und Schloss und Höhle in sich vereint.
Beeindruckende Schlossanlage mit Höhlenburg

Die Burganlage gliedert sich in drei Abschnitte: Die Hochburg, die eigentliche Höhlenburg und das Unterschloss. Das Hochschloss ist der älteste Teil der Burg, dessen Ursprünge bis mindestens in 12. Jahrhundert zurückreichen. Sie trohnt auf der 50 Meter hohen, steil abfallenden Nagelfluhwand, die den Abschluss einer Hochebene bildet, die im Osten bis an die Salzach reicht. Vermutlich diente dieses Schloss auch der Regulierung des Salzhandels und dem Schutz der Grenze, denn bis 1809 gehörte es zu Salzburg, die unteren beiden Schlösser hingegen zu Bayern.
Das untere Schloss sowie die Kapelle entstand zwischen 1400 und 1430. Zu dieser Zeit wurden auch die ersten beiden Räume der Höhlenburg gebaut; der gesamte Ausbau endete aber erst im 16. Jahrhundert. Diese erstreckt sich über zwei Geschoße und verbindet das obere mit dem unteren Schloss durch einen Wehrgang. Als Wehranlage taugte die Burg tatsächlich aber weniger, da sie zweimal erfolgreich gestürmt werden konnte.
1907 wurde die Anlage um die Schlossbrauerei Stein ergänzt, die zu dieser Zeit neu gebaut wurde. Die Brauerei selbst existiert hingegen bereits seit 1489, ist aber erst seit Beginn des 20. Jahrhunderts mit dem Neubau teil des Gebäudekomplexes. Seit 1948 befindet sich in der unteren Burg das private Gymnasium Schloss Stein. Die Höhlenburg gilt als die bedeutendste in Deutschland und als die am besten erhaltene in ganz Europa!
Die Legende von Heinz vom Stein dem Wilden

Es rankt sich eine Legende um das Schloss, die besagt, das einst der gefürchtete Raubritter Heinz vom Stein der Wilde hier herrschte. Er war dafür berüchtigt, dass er schöne Mädchen raubte und sie zu sich auf die Burg nahm. So entführte er eines Tages die schöne Waltraud und hielt sie bei sich gefangen. Ihr Geliebter Siegfried schlich sich als Reitknecht verkleidet in die Burg, um sie zu retten. Gleichzeitig nahm Heinz Waldtrauds Vater Gravenecker als Geisel und forderte ihre Unschuld als Lösegeld.
Als Gravenecker die schändliche Forderung ablehnte, ordnete Heinz seine Hinrichtung an. Um einer Entehrung durch den Raubritter zu entgehen, nahm sich Waltraud das Leben. Siegfried, der inzwischen Kriegsknechte in die Burg gelassen hatte, stürmte daraufhin die Höhlenburg. Er fand Heinz neben der Leiche seiner Geliebten und erstach ihn, doch es stellte sich heraus, dass Heinz Siegfrieds Vater war. Unterdes brach Gravenecker beim Anblick seiner toten Tochter vor Kummer zusammen.
Wie viel Wahrheit hinter dieser Sage steckt, lässt sich nicht beantworten. Fest steht, dass es keine offiziellen Aufzeichnungen zu einem Heinz gibt, der mal auf der Höhlenburg gelebt haben soll. Nichtsdesotrotz gibt es ein eigenes Waldtraudzimmer in der Anlage und Anhänger der Legende glauben jedoch, dass sein Geist noch heute in der Burg umherspukt.
Führungen durch die Höhlenburg Stein an der Traun
Wenn ihr euch bei eurem nächsten Sonntagsausflug nicht entscheiden könnt, ob ihr lieber eine Höhle oder eine Burg besuchen sollt, dann schaut bei der Höhlenburg Stein an der Traun vorbei. Die Führungen durch die Anlage verbinden beides, sodass ihr keine Abstriche machen müsst. Erwachsene zahlen 11€ für eine Führungen durch die imposante Anlage. Ihr erhaltet Kerzen und Taschenlampen, die für die richtige gruselige Atmosphäre sorgen, wenn ihr euch in den Felsen hinab begebt und die Sagen und Legenden um die Burg erzählt bekommt. Erkundet die Folterkammer, den Rittersaal und die Wohnräume der Burg.
Wem der Rundgang durch die Höhlenburg alleine nicht reicht, der verknüpft sie mit einer Führung durch die Brauerei Stein. Im Anschluss erhaltet ihr eine Bierverkostung mit Panoramablick auf der Hochburg. Für die Kombi-Führung zahlt ihr 18€ pro Person. Führungen gibt es von Anfang April bis Ende Oktober, perfekt also für ein kleines Halloween-Abenteuer!
Von München aus erreicht ihr die Schlossanlage Stein an der Traun in ca. 90 Minuten mit dem Auto. Mit dem Zug benötigt ihr eine Stunde länger.