Der Marienplatz bildet das Herz von München und als solches pulsiert es tagtäglich voller Leben, wenn Touristen wie Einheimische in Scharen über die Fläche strömen. Hier gibt es viel zu entdecken, Manches weniger offensichtlich, wie die Kunstgalerie „Passage“, Anderes präsentiert sich wiederum ganz offen, wie der alte Peter oder die beiden Ratshäuser. Vor allem der imposante, neugotische Bau des neuen Rathauses ragt eindrücklich über dem Platz auf und ist das erste, was einem ins Auge springt, wenn man von U- und S-Bahn zurück ans Tageslicht gelangt. Doch das neue Rathaus ist nicht nur aufgrund seiner Architektur ein beliebtes Fotomotiv. Jeden Vormittag um 11 Uhr bleiben die Leute hier reihenweise stehen und richten ihren Blick gen Rathausturm, um ein ganz besonderes Schauspiel zu beobachte.
Seit über 100 Jahren eine Münchner Instanz

Seit 1909 erklingen die Glocken aus dem Rathausturm und die lebensgroßen Figuren beginnen sich zu bewegen und zu tanzen. Das Glockenspiel am Marienplatz fasziniert seit jeher mit seiner Liebe zum Detail und der Geschichte, die es erzählt. Die Idee für das Glockenspiel stammte vom Architekten Georg von Hauberrisser, der sich ebenfalls für die Umsetzung des neuen Rathauses verantwortlich zeichnete. Seine Fertigstellung erfolgte 1908, doch erst ab dem Folgejahr war es regelmäßig zu hören, da man zunächst mit dem Klang der Glocken nicht zufrieden war.
Von diesen zählt es ganze 43, wovon die kleinste 10 Kilogramm wiegt und einen Durchmesser von 18 Zentimetern aufweist. Die größte Glocke hat ein stolzes Gewicht von 1.300 Kilogramm und misst 125 Zentimeter; alle Glocken zusammen kommen auf ganze 7 Tonnen. Die Melodien kommen von sechs Spielwalzen, die monatlich gewechselt werden, um ein saisonal passendes Repertoire zu bieten. Zu der Musik bewegen sich dann 32 lebensgroße Figuren, die 12 Minuten lang für die Schaulustigen tanzen.
Das Glockenspiel am Marienplatz war zu seiner Zeit das erste elektromechanische Glockenspiel in Europa und ist heute der fünftgrößte Vertreter seiner Art auf dem Kontinent. Früher spielte es immer nur um 11 Uhr vormittags, doch seit der olympischen Spiele 1972 könnt ihr dem Spektakel auch um 12 Uhr und von März bis Oktober zusätzlich noch um 17 Uhr beiwohnen. Um 21 Uhr verabschiedet es sich dann mit dem Nachtwächter und dem Münchner Kindl.
Die wichtigsten Infos auf einen Blick:
- Gewicht: Ganze 7 Tonnen wiegen alle Glocken zusammen, die schwerste allein 1.300 Kilogramm.
- Figuren: 32 lebensgroße Akteure tanzen auf zwei Ebenen.
- Dauer: Das gesamte Schauspiel dauert rund 12 Minuten, der Nachtgruß 2 Minuten.
- Besonderheit: Es war das erste elektromechanische Glockenspiel des Kontinents.
- Zeiten: Täglich um 11, 12 & 21 Uhr (außer Karfreitag), von März bis Oktober auch um 17 Uhr.
Was stellt das Glockenspiel am Marienplatz dar?
Der Spielerker des Glockenspiels ist in zwei Ebenen oder Etagen aufgeteilt. Auf der oberen Ebene könnt ihr ein Ritterturnier beobachten, das 1568 auf dem Marienplatz stattfand. Es wurde zur Feier der Hochzeit von Herzog Willhelm V. und seiner Gattin Renate von Lothringen abgehalten, nachdem diese sich in der Frauenkirche vermählt hatten. In der Mitte sieht man Renate und Wilhelm, die über das Geschehen wachen. Ein Ritter in goldener und einer in silberner Rüstung reiten auf einander zu, die Lanzen erhoben. Wir verraten euch an dieser Stelle mal nicht, wer von beiden gewinnt.
Nach Ende des Turniers beginnen dich auf der unteren Ebene die Schäffler zu drehen. Sie führen den traditionellen Schäfflertanz auf, den ihr nur alle sieben Jahre in echt zu sehen bekommt. Dieser Tanz geht angeblich auf die Pest von 1515 zurück. Damals sollen die Schäffler auf diese Weise versucht haben, die Leute wieder auf die Straßen zu locken, um am öffentlichen Leben teilzunehmen.
Abends um 21 Uhr bekommt ihr schließlich eine andere Darbietung zu sehen. Auf der linken und der rechten Seite des Rathausturms öffnen sich kleine Erker. Links tritt der Nachtwächter heraus, der gemeinsam mit seinem Hund seine Runde dreht, begleitet vom Nachtwächterruf aus Richard Wagners Oper „Die Meistersinger von Nürnberg“. Nach Abschluss seiner Runde ertönt das Wiegenlied von Johannes Brahms und das Münchner Kindl und der Friedensengel erscheinen. Nach zwei Minuten verabschiedet das Glockenspiel damit dich Münchner und seine Besuchenden in die Nacht.