In München gibt es einige Lokale, in denen früher wie selbstverständlich die Stars und Sternchen dieser Welt zu Gast waren. So besuchten Robert De Niro und Brigitte Bardot den Alten Simpl und Mick Jagger war im Café Jasmin anzutreffen. Im Gärtnerplatzviertel gibt es einen weiteren solchen Ort, der jedoch nicht nur als Künstler- sondern vor allem auch als Schwulentreff große Bekanntheit erlangte. Auch heute noch ist die legendäre Deutsche Eiche ein wichtiger Treffpunkt für die Queer-Community, der auf eine lange Geschichte von über 165 Jahren zurückblicken kann.
Hot Spot der Münchner Kulturszene

Die Deutsche Eiche war von Anfang an ein Wirtshaus bzw. eine Schänke, später kamen die ersten Hotelzimmer hinzu. Das Gasthaus in der Reichenbachstraße 13 betrieb lange Zeit die gleichnamige Familie Reichenbach. Aufgrund der Nähe zum Schlachthof und dem Großmarkt zog es viele Gäste in die Deutsche Eiche; aus dem Gärtnerplatztheater kamen die dort auftretenden Tänzer. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs strömten immer mehr Tänzer, Schauspieler und Künstler in die Gaststätte und so wandelte sie sich allmählich zum Künstlertreff. Die Deutsche Eiche war aufgrund der günstigen Preise bei ihnen beliebt und immer wieder einmal gingen Mahlzeiten auf’s Haus. Irgendwann fanden sogar Premierenfeiern des Gärtnerplatztheaters in der Wirtschaft statt.
Neben den lokalen Künstlern fanden sich auch internationale Prominente in der Deutschen Eiche ein. Die Sängerin LaDonna Adrian Gaine spielte im Musical „Hair“ mit, welches im Gärtnerplatztheater aufgeführt wurde. In dieser Zeit lernte sie einen österreichischen Zahnarzt mit Namen Sommer kennen, von dem sie ein Kind erwartete. Sie nannte sich daraufhin Donna Summer und lebte mit ihrer Tochter in der Deutschen Eiche. Schließlich entdeckte sie Giorgio Moroder, der sie zum Star machte.
Der Regisseur und Schauspieler Rainer Werner Fassbinder war ein weiterer Stammgast in dem Lokal, der sogar in die Reichenbachstr. 12 direkt gegenüber zog, um ihm möglichst nahe zu sein. Er soll durch seine polarisierende Art dafür gesorgt haben, dass andere Gäste nicht mehr in das Wirtshaus zurückkehrten. Und auch Freddie Mercury, der sechs Jahre lang in München lebte, ging in der Deutschen Eiche regelmäßig ein und aus, ebenso wie Rudolph Moshammer. Heute zieren Mosaike von Fassbinder und Mercury die Fassade der Gaststätte.
Die Bedeutung Deutsche Eiche in der Queer-Community

Auch homosexuelle Männer besuchten die Eiche regelmäßig und schon bald wurde sie zum Epizentrum der Münchner Schwulenszene. 1971 entstand hier die HAG, die Homosexuelle Aktions-Gruppe München, welches die erste Homosexuellen-Gruppe der Stadt sein sollte. In den 1990ern stand der Szene-Treff jedoch kurz vor dem Aus. Die Kosten stiegen, die Gäste bleiben fern. Die Deutsche Eiche sollte verkauft und in ein Bürogebäude verwandelt werden, doch dagegen wussten sich deren Anhänger zu wehren und sie erfuhr weltweite Unterstützung, sogar aus den USA.
Schließlich kaufte die Familie Holzapfel die Eiche und hier das erste reine Männerbadehaus in München. Es erstreckt sich über vier Stockwerke und über 2.000 Quadratmeter. Hier gibt es einen Whirlpool, zwei finnische Saunen, mehrere Dampfbäder, einen Massagebereich und einen Hamam. Im Untergeschoss befinden sich außerdem auch einige Dark Rooms. Die Deutsche Eiche ist die größte Männersauna Deutschlands und zählt auch weltweit zu den größten ihrer Art.
Heute treffen sich aber nicht mehr nur homosexuelle Männer in der Eiche, sondern die ganze Queer-Community ist hier zu finden. Und auch Heteros kommen gerne zum Essen her, oder um einen Drink auf der Dachterrasse zu genießen. Nicht zu vergessen ist außerdem die legendäre Faschingsparty der Deutschen Eiche. Die Künstlerinnen und Künstler aus dem Gärtnerplatztheater veranstalteten in der hier mit der Zeit auch Faschingsfeiern, und diese Tradition hat bis heute Bestand. Am Faschingsdienstag wird die Reichenbachstraße gesperrt und ihr feiert auf der Straße mit Drag Queens und DJ-Sets.