Kaum ein Ort verkörpert die bayerische Wirtshauskultur so lebendig wie das geschichtsträchtige Hofbräuhaus am Platzl mitten in der Münchner Altstadt. Was einst im Jahr 1589 auf Initiative von Herzog Wilhelm V. begann, um kostspielige Bierimporte mitunter aus dem niedersächsischen Einbeck zu stoppen, entwickelte sich über Jahrhunderte zu einer weltweiten Kultstätte. Während die Bevölkerung erst ab 1828 unter König Ludwig I. bewirtet werden durfte und der Betrieb 1852 in das Eigentum des bayerischen Staates überging, strömen heute unzählige Menschen an die Adresse Platzl 9. Der heutige Bierpalast im Stil der Neorenaissance, der Ende des 19. Jahrhunderts nach Plänen von Architekt Max Littmann errichtet und nach schweren Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg bis 1958 rekonstruiert wurde, empfängt euch täglich bei freiem Eintritt.
Was euch heute im historischen Wirtshaus erwartet

Wenn ihr die historische Schwemme, also die große Bierhalle, im Erdgeschoss betretet, spürt ihr sofort den Puls der Münchner Gasthaustradition. Rund 1.000 Plätze an urigen Holztischen laden euch dazu ein, euch einfach zu anderen Gästen dazuzusetzen. Eine Reservierung gibt es hier, genau wie im sommerlichen Wirtsgarten mit seinem Löwenbrunnen, ganz bewusst nicht. Nur im Bräustüberl im ersten Stock kann man sich einen Platz reservieren. Über 125 Stammtische und rund 3.500 Stammgäste beleben das Wirtshaus regelmäßig, wobei ein ganz besonderes Detail ins Auge sticht. Der hauseigene Maßkrugtresor, dessen 616 Fächer ausschließlich ausgewählten Stammgästen vorbehalten sind, ist eine echte Besonderheit des Hauses.
Neben realen Gästen ist auch eine literarische Figur fest mit dem Haus verwoben. Ludwig Thomas berühmter Engel Aloisius entsteht aus der Kurzgeschichte „Ein Münchner im Himmel“ und genießt der Erzählung nach bis heute lieber hier sein Bier, statt im Himmel zu verweilen. Selbst das weltbekannte Hofbräuhaus-Lied hat eine verblüffende Entstehungsgeschichte. Es wurde 1935 nicht in München, sondern vom Berliner Komponisten Wiga Gabriel geschrieben.
Wie das bayerische Original zum globalen Phänomen wurde

Auch wenn das Bier längst nicht mehr direkt am Platzl hergestellt wird, verbleibt der historische Einfluss auf die Biergeschichte. So geht unter anderem das Münchner Bockbier auf das Abwerben eines Einbecker Braumeisters im Jahr 1612 zurück. Das berühmte Logo mit der Krone stammt noch aus königlichen Zeiten, und das Kürzel HB ist bereits seit 1879 geschützt, weil es damals zu viele Brauereien kopierten. Heute ist das Konzept weltweit gefragt. Neben elf Hofbräuhäusern in Europa, Amerika und Asien entstand 2004 in Las Vegas sogar ein dem Original nachempfundener Lizenzbau. Wer die authentische Atmosphäre des Originals erleben möchte, findet im Festsaal unter neun Meter hohen Gewölben Platz für rund 1.500 Personen.
Das Baudenkmal ist über den Marienplatz oder das Isartor schnell erreichbar und lässt euch die traditionsreiche bayerische Lebensart spüren. Denn genauso wie sonnige Biergärten, das herbstliche Oktoberfest oder der Feierabend in der Kneipe gehört das Hofbräuhaus schlichtweg zu München.