Cafébesuche gehören zu den kleinen Freuden des Alltags, die man sich immer gönnen kann. Ob alleine oder mit Freunden, ob draußen in der Sonne oder gemütlich im Innenbereich, ein Abstecher im Café geht einfach immer. Dabei sehen viele der Münchner Lokale nicht einfach nur hübsch aus und servieren guten Kaffee, sondern haben auch Geschichte. Auf die längste blickt das Tambosi am Odeonsplatz zurück, denn es ist das älteste Münchner Kaffeehaus, das bis heute offen hat.
Von Venedig nach München

Giovanni Pietro Sarti stammte ursprünglich aus Venedig und war Lotterieeinnehmer der bayerischen Kurfürstin Henriette Adelaide von Savoyen. Diese gestattete ihm 1774, einen Kiosk am Hofgarten zu betreiben. Ein Jahr später folgte die Eröffnung und Sarti bot neben Kaffee auch andere Getränke zum Verkauf an. Aus dem Kiosk wurde schließlich ein Kaffeehaus, in dem Sarti nicht nur Getränke, sondern auch Speisen servierte, damals noch eine absolute Ausnahme. Dabei importierte einen Großteil seines Angebots aus Italien und brachte somit italienisches Lebensgefühl nach Bayern.
Als Sarti starb ging das Kaffeehaus durch mehrere Hände, bevor Luigi Tambosi es schließlich 1810 pachtete. Nachdem das ursprüngliche Gebäude der Alten Reitschule dem Abriss zum Opfer fiel, zog das Tambosi um in den neuen Bazar, den Leo von Klenze im klassizistischen Stil am Odeonsplatz entwarf. Nach Luigis Tod übernahm dessen Sohn Louis das Café. Mit diesem endete die Geschichte der Tambosis in dem Lokal jedoch. Ab 1871 wechselten mit den Besitzern auch die Namen, die allgemeine Bevölkerung nannte das Kaffeehaus aber nach wie vor Tambosi.
Das Tambosi im Annast-Haus

1920 übernahm Anna Annast gemeinsam mit ihrem Mann das Tambosi und gestaltete es grundlegend um. Sie ergänzten es um einen Ballsaal und das Intime Theater und aus dem Kaffeehaus wurde zunehmend ein Veranstaltungsort, der unter Künstlerinnen und Künstlern sehr beliebt war. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Bazar weitestgehend von den Bombenangriffen der Alliierten zerstört und musste zunächst wieder aufgebaut werden. 1950 nahm es den Kulturbetrieb wieder auf. In den 70ern musste das Café letztlich schließen, da man plante, Banken in dem Gebäude unterzubringen.
Dazu kam es aber glücklicherweise nicht. Seit 1997 hat das Tambosi wieder unter seinem altbekannten Namen geöffnet und versorgt euch seither italienischer Küche, köstlichen Dolci, erfrischenden Spritzern und natürlich mit Kaffee. Der Besuch lohnt sich vor allem an sonnigen Tagen, wenn ihr draußen sitzen könnt. Dann könnt ihr entweder den Trubel auf dem Odeonsplatz und vor der Theatinerkirche beobachten oder die Ruhe des Hofgartens genießen. An Regentagen sind aber auch die schicken Innenräume sehr einladend.