Wer den Sonnenuntergang in München genießen möchte, entscheidet sich meist zwischen Hackerbrücke, Olympiaberg und Friedensengel. Letzterer gehört zu den vielen Orten der Stadt, die einen Hauch antikes Griechenland in die Stadt bringen. Hier sitzt ihr auf einer imposanten Terrasse und habt nicht nur den Engel (der gar kein Engel ist), sondern auch einen detailverliebten Tempel im Rücken, wenn ihr die Luitpoldstraße hinunter gen Westen blickt. Erfahrt, was der Friedensengel wirklich ist und warum er beinahe fliegen gelernt hätte.
Eine Siegesgöttin als Symbol des Friedens

Das gesamte Ensemble rund um den Friedensengel heißt eigentlich Friedensdenkmal und ist dem Ende des deutsch-französischen Kriegs gewidmet. Die Stadt München stiftete es dem Haus Wittelsbach zum 25. Jahrestag des Frankfurter Friedens. Die Grundsteinlegung erfolgte 10. Mai 1986, drei Jahre später war das Denkmal fertiggestellt und konnte enthüllt werden. Es misst insgesamt 38 Meter und zeigt die griechische Siegesgöttin Nike mit einem Ölzweig in der Hand. Sie thront auf einer 23 Meter hohen Korinthersäule, die wiederum aus einem 9 Meter hohen Tempel hervorragt.
Das Dach des Tempels stützen acht Frauenskulpturen und vier Eckpfeiler, die auf 12 Medaillons die Heldentaten des Herkules zeigen. 12 weitere Medaillons zeigen bayerische und preußische Persönlichkeiten, wie Wilhelm I., Ludwig II. und Prinzregent Luitpold. Im Inneren des Tempels findet ihr vier Mosaike, die Krieg, Sieg, Frieden und Wohlstand darstellen. Auf dem Dach selbst entdeckt ihr vier Bekrönungen, die an antike Trophäen erinnern. Über dem Tempel erhebt sich die Säule mit der vergoldeten Darstellung der Nike. Ihre Flügel haben eine Spannweite von fünf Metern und brachten ihr den Spitznamen „Friedensengel“ ein.
Als der Friedensengel abzustürzen drohte

Während des Zweiten Weltkriegs wurde der Friedensengel abgedeckt und überstand ihn so unbeschadet. Trotzdem bestand aufgrund von Materialermüdung nach Jahrzehnten akute Absturzgefahr. 1981 demontierte man die Skulptur, gab ihr neue Flügel und ein neues Standbein und platzierte sie zwei Jahre später wieder auf der Säule. Zum hundertjährigen Jubiläum des Denkmals 1999 verlieh man der Nike eine neue Vergoldung. Seither strahlt sie wieder über der Luitpoldterrasse und der Brunnenanlage.
Der Friedensengel ist heute nicht nur eine bekannte Touristenattraktion, sondern dank der hiesigen Terrasse auch bei den Einheimischen ein beliebter Aussichtspunkt. Euer Besuch lässt sich perfekt mit einem Spaziergang durch die Maximiliansanlagen verbinden, aus deren Zentrum die Skulptur hervorragt. Unterhalb des Engels befindet sich eine Unterführung, die eine Street-Art-Galerie verbirgt. Hier entdeckt ihr großflächige Kunstwerke an den Wänden und gelangt über eine Treppe direkt auf die Terrasse.