Wer an Prinzessinnen denkt, hat vermutlich sofort Bilder von Traumschlössern, herrlichen Kleidern und rauschenden Bällen im Kopf. Doch nicht jede Prinzessin lebte wie im Märchen, wie Therese von Bayern eindrucksvoll beweist. Sie brach mit vielen der Konventionen, die im 19. Jahrhundert für Frauen und Adel noch galten und setzte ihren eigenen Kopf gegen ihren Vater durch. Trotz ihres Eigensinns schaffte sie es den Spagat zwischen herrschaftlichen Pflichten und eigener Forschungsarbeit zu meistern.
Die wissensdurstige Therese

Am 12. November 1850 erblickte Therese als Tochter von Luitpold von Bayern und Auguste Ferdinande von Österreich das Licht der Welt. Sie war das einzige Mädchen von vier Kindern und die Schwester des späteren Königs Ludwig III. Als sie gerade einmal 13 Jahre alt war, verstarb ihre Mutter, weswegen Therese als einzige Tochter versuchte deren Rolle zu übernehmen. Das beinhaltete auch repräsentative Aufgaben an der Seite ihres Vaters, was der jungen Frau nicht leicht fiel. Als 1886 ihr Cousin Ludwig II. auf mysteriöse Weise ums Leben kam, wurde Luitpold Prinzregent, wodurch dieser weniger Zeit für seine Tochter erübrigen konnte.
Therese entpuppte sich früh als Bücherwurm und las besonders gern die Berichte von Alexander von Humboldt. Sie zeigte vielfältige Interessen, beispielsweise in den Bereichen der Botanik, Zoologie und Ethnologie. Da Frauen der Besuch eines Gymnasiums oder gar der Universität zur damaligen Zeit noch verboten war, brachte sie sich alles selbst bei. Sie unternahm mehrere Forschungsreisen und setzte im Alter von 27 Jahren gegenüber ihrem Vater durch, Mathematikunterricht nehmen zu dürfen. 1903 führte dieser schließlich das Frauenstudium in Bayern ein, womöglich inspiriert durch seine wissbegierige Tochter.
Die Prinzessin auf Forschungsreise

Prinzessin Therese war in Otto, den Bruder von Ludwig II. verliebt. Da dieser aber erkrankte und zurückgezogen in Schloss Fürstenried lebte, wurde aus den beiden nie ein Paar. Andere Heiratskandidaten kamen für Therese nicht infrage:
„Ich habe meine Freiheit nicht an einen Mann verkauft, den ich nicht lieben konnte.„
So blieb sie ihr ganzes Leben lang alleine und unabhängig, was es ihr ermöglichte, zu reisen. Mit 21 Jahren begab sie sich auf Expedition durch Europa und Nordafrika, wobei sie 12 Sprachen erlernte, die sie in Wort und Schrift beherrschte. Sie gab sich dabei stets als Gräfin Elpen aus und begnügte sich mit einfachen Mitteln.
In den 1880ern und 1890ern reiste sie quer durch den amerikanischen Kontinent, von den USA über die Karibik bis nach Argentinien. Sie brachte damals eine Vielzahl an Sammelobjekten zurück, die ihr heute u. a. in der ethnlogischen Sammlung des Museum Fünf Kontinente in München entdecken könnt. 1897 erhielt sie für ihr Selbststudium und ihre Pionierarbeit für Frauen in der Wissenschaft die Ehrendoktorwürde der Philosophischen Fakultät der LMU. 100 Jahre später führte die Uni den Prinzessin-Therese-von-Bayern-Preis ein, der die besonderen Errungenschaften von Wissenschaftlerinnen und Forscherinnen ehrt.
Das Vermächtnis von Therese von Bayern

Mit Beginn des Ersten Weltkriegs, den Therese ablehnte, zog die Prinzessin sich nach Lindau zurück, wo sie ihren Lebtag verbrachte. Nach ihrem Tod wurde sie in der Theatinerkirche beigesetzt, wie viele andere Wittelsbacher auch. Der Bestand ihrer privaten Bibliothek, die etwa 11.000 Werke umfasste, ging an die Bayerische Staatsbibliothek über. Dort stehen sie euch zum Lesen und zur Recherche zur Verfügung.
Seit 2009 findet ihr die Büste von Therese in der Ruhemshalle hinter der Bavaria-Statue oberhalb der Theresienwiese. Sowohl in Neuperlach als auch im Botanischen Garten sind Wege nach ihr benannt und es gibt mehrere Schulen, die ihren Namen tragen. In Lindau könnt ihr außerdem über den Therese-von-Bayern-Platz spazieren. Der Therese Keilschwanz Leguan, den ihr in Peru vorfindet, verdankt seinen Namen ebenfalls der furchtlosen Prinzessin, die sich nie von den geltenden Konventionen hat einschüchtern lassen.