Bayern ist das Königreich unter den Schlössern in Deutchland – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn neben Märchenschlössern wie der Blutenburg hat auch König Ludwig II. seinen Reichtum wie kaum ein anderer ausgenutzt. Bis heute findet man rund um München wunderschöne Orte, die der berühmt „Märchenkönig“ errichtet hat. Dazu gehört die versteckte Roseninsel, auf der er sich mit Sisi von Österreich getroffen hat. Aber auch das Schloss Linderhof ist eines seiner besondersten Rückzugsorte, den ihr gesehen haben müsst. Denn seit diesem Jahr zählt es sogar als UNESCO-Welterbe.
„Klein“, aber fein: Schloss Linderhof von König Ludwig II.

Kleinigkeiten verbindet man eigentlich nicht mit König Ludwig II., der zwischen Prunk und Protz gelebt hat. Vielleicht gerade deswegen ist das Schloss Linderhof eine Bemerkung wert: Es ist tatsächlich das kleinste der drei Schlösser, die er in Südwestbayern errichten ließ. Aber es ist auch das einzige, welches er vollendet und intensiv bewohnt hat.
Das Schloss entstand zwischen 1869 und 1880 nach dem Vorbild französischer Lustschlösser, vor allem nach Motiven von Versailles. Und anders als die meisten Bauprojekte von König Ludwig II. war Linderhof nicht nur zur Repräsentation gedacht, sondern diente ihm als privaten Rückzugsort.
Der wenig bekannte königliche Individualismus
Linderhof war Ludwig II.s „Schloss für sich allein“. Das gesamte Gebäude und dessen Räumlichkeiten sind stark auf seine Person zugeschnitten. Ihr findet dort riesige Schlafgemächer mit goldener Absperrung, die jedoch nie tatsächlich für Audienzen genutzt wurde. Ludwig war ein Nachtmensch, er schlief tagsüber und hielt sich nachts in seinem „Spiegelkabinett“ auf, wo dank raffinierter Spiegelanordnung der Kerzenschein als „endlose Allee“ erschien.
Das gesamte Gelände von Schloss Linderhof ist ein regelrechtes Freiluftmuseum exotischer Architektur: Neben der künstlichen Grotte findet ihr hier auch romantische Wasserfälle und Gärten. Und der Maurische Kiosk mit dem berühmten Pfauenthron und das Marokkanische Haus gehören zur Anlage beides Originalbauten von Weltausstellungen, die Ludwig nach Bayern holte. Damit brachte er Orient- und Märchenmotive in die bayerische Bergwelt.
Die Venusgrotte und technische Innovationen

Die künstliche Venusgrotte im Park war schon zur Zeit Ludwigs spektakulär und ist es noch heute: Sie ist eine künstliche Tropfsteinhöhle, die ab 1875 in nur zwei Jahren Bauzeit errichtet wurde. Mit 90 Metern Länge und bis zu 14 Metern Höhe war sie die größte künstliche Grotte des 19. Jahrhunderts. Ihr einziger Sinn: Eine Bühne für König Ludwig II. darbieten.
Der „Märchenkönig“ wollte Opernszenen mit möglichst perfekter Illusion nacherleben. Die Grotte ist einer Höhle auf der Insel Capri nachempfunden und nach Richard Wagners Oper „Tannhäuser“ gestaltet. Das Bühnenbild könnte also nicht sehenswerter sein! Für die Beleuchtung ließ Ludwig II. eigens ein elektrisches Kraftwerk bauen. Damit war Linderhof schon in den 1870er Jahren mit elektrischem Licht ausgestattet, obwohl der Strom in München erst 20 Jahre später Einzug hielt.
Heute kann das Schloss besichtigt werden – und sollte es auch unbedingt! Nehmt an einer Führung teil und fühlt euch selbst wie ein König in seinem Schloss. Es lohnt sich, vorher Tickets zu reservieren, da eine Schlossbesichtigung sehr beliebt ist.
