Jedes Kind kennt die Stifte von Faber-Castell und hat vermutlich selbst schon einmal damit gemalt oder geschrieben. Dass hinter dem Hersteller jedoch eine fränkische Adelsfamilie steckt, dürfte ein weitaus weniger bekannter Fakt sein. Diese stammt aus Stein bei Nürnberg, wo sie das historistische Faber-Castell Schloss errichten ließ. Heute lebt die Familie nicht mehr in dem Schloss und ihr könnt es bei einer Führung selbst besichtigen.
Bedeutende Wirtschaftsdynastie

Im Jahr 1898 gingen Ottilie von Faber und Alexander Graf zu Castell-Rüdenhausen den Bund der Ehe ein und begründeten daraufhin den neuen Familienzweig Faber-Castell. Dabei stammt Ottilie aus einer Industriellenfamilie, die bereits seit dem 16. Jahrhundert unternehmerisch tätig war und 1761 die erste Bleistiftfabrik gründete. 90 Jahre später führte Lothar Faber die Bleistiftnorm ein und wurde dafür geadelt. Er ließ in diesem Zuge einen repräsentativen Firmensitz im Neorenaissance-Stil in Stein bei Nürnberg bauen: Das Faberschloss.
Kurz darauf entstand ein zweites Faberschloss als Alterswohnsitz für Lothar in Schwarzenbruck an der Schwarzach. Ottilie und Alexander lebten zunächst dort, kehrten aber um die Jahrhundertwende nach Stein zurück, wo sie neben dem alten das neue Schloss errichteten. 1906 war es bezugsfertig. Lothar von Faber war in der Zwischenzeit gestorben, weshalb Ottilie die Firma übernommen hatte, deren Namen nun Faber-Castell lautete.
Bis zu Beginn des Zweiten Weltkriegst lebte die Familie im Schloss Faber-Castell, dann wurde es beschlagnahmt. Nachdem sie es 1953 wieder erhielten, zogen sie nicht erneut ein. Heute gilt die Familie Faber-Castell als eine der bedeutendsten Wirtschaftsdynastien Deutschlands und ihre Firma als das älteste Industrieunternehmen der Welt.
Das Neue Schloss Faber-Castell

Das Schloss Faber-Castell folgt dem Stil der deutschen Romanik und weist darüber hinaus Jugendstilelemente auf. Durch den fünfgeschossigen Glockenturm ist es mit dem alten Schloss verbunden. Dieser Turm gilt heute als Wahrzeichen der Stadt Stein. Der Bau erstreck sich in einem Rechteck um den Innenhof und grenzt an eine großzügige Parkanlage, die bis nach Nürnberg reicht und deshalb in Teilen zur Stadt gehört. Besonders im Frühling lohnt sich ein Spaziergang durch das 27 Hektar große Gelände.
Von außen mutet das Schloss Faber-Castell mittelalterlich an mit seinen Erkern, Türmchen und den dunklen Steinmauern. Im Inneren zeigt sich der Historismus durch eine Mischung an Architekturstilen. Im Treppenhaus betrachtet ihr die Stuckdecke im Jugendstil, die Bibliothek lehnt sich an der Renaissance an und im Ballsaal findet ihr von Gotik über Jugendstil bis Barock zahlreiche Elemente verschiedener Epochen.
Wenn ihr das alles und noch viel mehr mit eigenen Augen sehen wollt, dann könnt ihr eine Führung im Schloss Faber-Castell buchen. Tickets für Erwachsene kosten 12€, ermäßigt 6€. Darüber hinaus finden immer wieder kulturelle Veranstaltungen statt, die ihr besuchen könnt. Oder ihr nehmt an einem der Kreativ-Workshops teil und lernt Dinge wie Handlettering oder fotorealistisches Zeichnen. Außerdem diente das Schloss schon des Öfteren als Drehkulisse für Filme, wie z. B. „Hanni & Nanni“ oder „Hindenburg“.
📍 Ort: Schloss Faber-Castell, Nürnbergerstr. 2, Stein
🕑 Führungszeiten: Zwischen 12 und 20 Uhr
💶 Preisinformation: 12€ regulär, 6€ ermäßigt