Wenn es uns in Bayern an einem nicht mangelt, dann sind es schöne Landschaften. Berge, Seen, Wälder oder Höhlen – über fehlende Abwechslung könnt ihr euch sicher nicht beschweren. Ergänzt wird die malerische Idylle durch die vielen großen und kleinen Wasserfälle, die teilweise so viel Aufsehen erregen, das Leute nur für ein Bild durch das Land pilgern. Beim Königsbachfall sorgte die große Beliebtheit sogar soweit, dass dieser für die Öffentlichkeit gesperrt werden musste. Anders sieht es da beim Lechfall aus, den ihr glücklicherweise nach wie vor besuchen könnt und der ein wahrlich beeindruckendes Schauspiel bietet.
Jahrtausende alte Natur trifft auf moderne Technik

Der Lechfall liegt südlich von Füssen in einer schmalen Schlucht, die zum Ende der Würmeiszeit vor ca. 12.000 Jahren entstand. Das Schmelzwasser des Lech-Gletschers bildete einen See, dessen Abfluss im Laufe der Zeit den Fels erodierte und die Klamm bildete. Das Wasser stürzte 100 Meter in die Tiefe in den Füssener See. Ende des 18. Jahrhunderts entschloss man sich, die Wasserkraft effektiv zu nutzen und baute das Stauwehr. Seither fließt der Lech über fünf Staustufen und stürzt 12 Meter in die Tiefe, wo er in die Klamm eintritt. Damit war der Lechfall geboren.
Den Wasserfall könnt ihr entweder von der Aussichtsplattform oder vom König-Max-Steg aus beobachten, der euch direkt über die Kaskade führt. Der Steg überspannt den Lechfall bereits seit 1895 und erfuhr 2015 eine Sanierung. Seither ist der Zugang auch für Rollstuhlfahrer möglich, sodass diese ebenfalls in den Genuss des Spektakels kommen können. Der Steg ist aber nicht die einzige Widmung an Maximilian II. die ihr am Lechfall findet. In einer Nische oberhalb der Klamm könnt ihr eine Büste entdecken, die den bayerischen König abbildet.
Die Legende vom Heiligen Magnus am Lechfall

Der Heilige Magnus lebte im 8. Jahrhundert in Füssen und gründete das dortige Kloster St. Mang. Eines Tages befand er sich auf der Flucht vor Dämonen und sprang über den Lech, genau dort, wo sie heute der Lechfall befindet. An der Absprungstelle befindet sich der Magnsutritt, neben der ein ehernes Kreuz steht. Der Magnustritt ist eine ovale Vertiefung in einem der Felsen entlang des Lechufers, die an einen Schuhabdruck erinnert.
Der Lechfall und die Klamm bilden zusammen ein Geotop und sind als Naturdenkmal ausgewiesen. Außerdem zählt das Geotop zu den 100 schönsten des Bundeslands. Dass Wasser des Lechs ist an dieser Stelle oft türkis oder jadegrün, was zum einen an den vielen Mineralien im Wasser liegt, zum anderen an der geringen Wassertemperatur. Diese übersteigt selten die 6°C-Marke. Den Lechfall könnt ihr das ganze Jahr über und zu jeder Tageszeit besuchen. Und falls euch dieser Abfall des Flusses nicht reicht, dann solltet ihr Landsberg und das dortige Lechwehr besuchen.