Wer auf der Suche nach spektakulären Landschaften ist, wird in Bayern stets fündig. Ob rauschende Wasserfälle, hohe Berggipfel oder tiefe Klammen, hier kommen Naturliebhabende in jedem Fall auf ihre Kosten. Wenn es ein bisschen von allem sein darf, solltet ihr eine Tour durch den Hölltobel bei Oberstdorf unternehmen. Tiefe Felsspalten, rauschende Wasserfälle und eine wunderbare Aussicht warten hier darauf, von euch entdeckt zu werden.
Über Stock und Stein
Der Hölltobel ist alles andere als höllisch: Vielmehr erwartet euch hier eine himmlische Landschaft, die der Dietersbach durch Erosion geschaffen hat. Dieser tritt nach verlassen des Dietersbachtals in den Tobel ein, der euch über 400 Höhenmeter hinauf in das Bergdorf Gerstruben führt. Während ihr den Berg hinauf wandert, plätschert neben euch her der Bach, der immer wieder über kleine Stufen gleitet und so hübsche Kaskaden bildet. Unterwegs blickt ihr immer wieder auf tiefe Felsspalten, aus denen mancherorts das Wasser kraftvoll herausschießt. Der Weg selbst ist steinig, weshalb ihr auf jeden Fall festest Schuhwerk benötigt.
Nach einer Weile erreicht ihr den ersten der beiden großen Wasserfälle. Von einer Aussichtsplattform blickt ihr auf den Strom, der hier über 10 Meter hinab in eine Gumpe stürzt. Noch spektakulärer ist der zweite Wasserfall, der euch ein Stück weiter oben erwartet. Hier gibt es ebenfalls eine Aussichtsplattform, die sich am oberen Ende des Falls befindet. So blickt ihr 20 Meter in die Tiefe in das sogenannte Gemsengrab. Angeblich soll eine von einem Jäger erlegte Gämse hier hinabgestürzt sein. Die Plattform selbst bringt euch recht nach an den Wasserfall heran, sodass euch die Gischt in Gesicht spritzt und ihr die Naturkräfte regelrecht spüren könnt.
Durch den Hölltobel nach Gerstruben

Nachdem ihr den oberen Wasserfall ebenfalls hinter euch gelassen hat, geht es noch eine Weile bergauf. Oben habt ihr einen imposanten Blick auf die Schlucht und den Dietersbach. Schließlich verlasst ihr den Hölltobel und erreicht Gerstruben, ein Bergdorf mit gerade einmal vier Häusern, das seit 400 bis 500 Jahren hier oben steht. Mit seinen 1155 Metern Höhe gilt es als einer der höchstgelegenen Orte Deutschlands. Hier oben könnt ihr den Blick auf die umliegenden Berge bestaunen und euch bei der Einkehr stärken, bevor ihr euch auf den Rückweg macht.
Schon seit dem 19. Jahrhundert ist der Hölltobel begehbar. Zu dieser Zeit entstanden auch die beiden Aussichtskanzeln an den Wasserfällen, damals noch aus Holz. Heute sind sie stählern und eindeutig das Highlight der Wanderschaft. Wenn ihr den Hölltobel besuchen wollt, solltet ihr das im Frühjahr oder Sommer tun, da er über den Winter schließt. Vom Hauptbahnhof Oberstdorf könnt ihr den Bus an den Christelssee nehmen, welcher den Startpunkt eurer Tour bildet. Ihr könnt für diesen Ausflug also gänzlich auf das Auto verzichten.