Die Residenz der Wittelsbacher befindet sich mitten in München und gehört zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten unserer Stadt. Trotzdem, oder vielleicht auch deswegen, haben viele Einheimische noch nie auch nur einen Fuß in das Innere des prunkvollen Palastes gesetzt und sind dementsprechend mit den einzelnen Räumlichkeiten und deren Geschichten kaum vertraut. Dabei verstecken sich hinter den Mauern spannende Schicksale, verpackt in imposanter Kunst und Architektur im Herzen der Stadt. „Herz“ ist ein gutes Stichwort, denn es soll im Folgenden, passend zum bevorstehend Valentinstag, um eine Hommage an die Liebe gehen.
Die Prinzessin aus Turin

Im zarten Alter von gerade einmal 14 Jahren heiratete die aus Turin stammende Prinzessin Adelheid Maria von Savoyen den bayerischen Thronfolger Ferdinand Maria, welcher im darauffolgenden Jahr bereits zum Kurfürsten wurde. Ihre Mutter hatte für sie eigentlich die Hochzeit mit dem späteren Sonnenkönig Ludwig XIV. vorgesehen, wohingegen das bayerische Königshaus vorzugsweise nach einer deutschsprachigen Braut suchte. Nicht zuletzt überzeugte Adelheid aber durch ihre Schönheit und so kam es zu der arrangierte Ehe zwischen den beiden Teeangern.
Adelheid konnte zunächst weder mit dem bayerischen Hof, noch mit ihrem neuen Gemahl viel anfangen. Sie soll sich über seinen „blöden Blick“ beklagt haben, der eine Folge von Ferdinands Kurzsichtigkeit war. Im Laufe der Zeit entwickelte sie sich aber zu seiner wichtigsten Beraterin, als welche sie maßgeblich am Bau des Nymphenburger Schlosses und der Theatinerkirche beteiligt war.
Unter ihrem Einfluss entstand auch ein Bündnis zwischen Bayern und Frankreich. Sie feierte rauschende Feste und brachte den Spirit von Turin nach München. Letztlich starb sie an einer Erkältung, die sie sich zuzog, als sie ihre Kinder barfuß aus der brennenden Residenz rettete. Sie liegt in der Fürstengruft in der Theatinerkirche, das Herz und die Eingeweide in separaten Gefäßen.
Das Herzkabinett von Adelheid

In der Residenz hatte Adelheid ihr eigenes Apartment von dem heute nicht mehr viel übrig ist. Ein Raum hat die Zeit jedoch überdauert und dessen kunstvolles Deckengemälde nur so vor Liebessymbolik strotzt. In der Mitte durchbohren Engelchen zwei Herzen mit Pfeilen, sodass diese miteinander verbunden sind. Sie schnüren einen Liebesknoten und tragen allerlei Blumen bei sich. Die Eckbilder selbst sind herzförmig eingefasst und zeigen weitere Engel, die Namen in Herzen ritzen oder diese in Flammen aufgehen lassen. Weitere Zeichen sind der Tempel der Liebe und das Tor der Treue an den Wänden, sowie die Karte mit dem Land der Zuneigung und der Wald der Liebenden.
Das Herzkabinett war ursprünglich nur über die Bettnische der Schlafkammer zu erreichen. Der winzige Raum zeigt die Komplexität der Liebe auf. Sie besteht nicht nur aus tiefer Zuneigung, sondern kann auch Schmerz bedeuten. Die Kunstwerke im Herzkabinett appellieren daran, die Leidenschaft zu zügeln und eine tugendhafte Liebe zu leben, die in der Vernunft fußt. Adelheids Herzkabinett ist aber auch eine Hommage an die Verbundenheit zu ihrem Mann Ferdinand Maria, mit dem sie dieses Ideal erreichte.
Bei eurem Besuch in der Residenz könnt ihr selbst einen Blick in winzige Herzkammer werfen und eure eigene Schlüsse aus den dort gezeigten Malereien und Verzierungen schließen. Ihr könntet hier auch ein gemeinsames Date planen mit dem Herzkabinett als romantischen Kulisse für eure Zweisamkeit.