München ist eine tolle Stadt, in der immer etwas los ist und es immer etwas Neues zu entdecken gibt. Manchmal sehnt man sich aber nach dem genauen Gegenteil: Einem winzigen Bergdorf, in dem es nichts gibt, außer Ruhe und Natur. Wenn ihr nach einem solchen Ort sucht, dann solltet ihr einen Ausflug nach Gerstruben bei Oberstdorf im Allgäu unternehmen. Die ehemalige Siedlung verbindet idyllische Natur mit spannender Geschichte.
Zurück in die Vergangenheit

Eine Siedlung im Gerstrubener Tal gibt es mindestens seit dem 14. Jahrhundert. Andere Überlieferungen sprechen sogar von 839. Zunächst haben hier vermutlich Walser Bauern gelebt, die die Felder bestellten und Vieh züchteten. Sie lebten hier das ganze Jahr über, bis der Bau eines Damms bevorstand, dessen Speicher das Dorf geflutet hätte. Die Bewohner verließen ihr Dorf und fanden eine neue Heimat. Jedoch kam es nie zur Anlage des Speichersees und stattdessen erwarb Freiherr Cornelius Wilhelm von Heyl zu Herrnsheim 1896 Gerstruben und rettete so die verbliebenen Häuser. Er richtete hier seine Sommerresidenz ein und nutzte die Gegend um das Dorf als Jagdgebiet.
Später gelangte die Bergbauernsiedlung wieder in den Besitz von Oberstdorf, das sich um die Restaurierung der Bauten bemühte. Die Häuser, die hier heute noch stehen, stammen aus dem 15. und 16. Jahrhundert. Von ursprünglich neun Gehöften sind heute noch vier übrig, plus der kleinen weißen Marienkapelle. Sie sind Zeugnisse einer längst vergangenen Zeit gewähren Einblicke in die Leben der Bewohner. Mittlerweile steht das ganze Dorf unter Denkmalschutz.
Ausflug nach Gerstruben

Gerstruben liegt auf 1.155 Höhenmetern, was es zu einem der höchsten Orte Deutschlands macht. Ihr könnt die Siedlung von Oberstdorf aus über verschiedene Routen erreichen. Im Sommer empfiehlt sich besonders der Aufstieg durch den Hölltobel, eine felsige Schlucht, durch die der Dietersbach rauscht. Auf eurem Weg kommt ihr an zwei eindrucksvollen Wasserfällen vorbei, die ihr jeweils über eine Aussichtskanzel beobachten könnt. Im Winter ist der Hölltobel geschlossen, sodass ihr einen anderen Weg wählen müsst, beispielsweise über die Alpstraße von Dietersberg her kommend. Außerdem solltet ihr in jedem Fall einen Abstecher beim Christlessee machen, dessen kristallklares Wasser niemals zufriert.
Habt ihr den Aufstieg nach Gerstruben bewältigt, werdet ihr mit einer herrlichen Alpenlandschaft belohnt. Um euch herum erstrahlen die Wiesen in sattem Grün und am Horizont ragen Berggipfel in den Himmel. Die charmanten Bauernhäuser fügen sich perfekt in die ländliche Idylle ein. Wenn ihr mehr über das Leben der ehemaligen Dorfbewohner erfahren wollt, schaut im Jakobehüs vorbei. Dieses ist heute ein Museum mit originalgetreuer Einrichtung, das man aufwändig restauriert hatte. Von Mai bis Oktober hat es jeden Donnerstag von 13 bis 16 Uhr für euch geöffnet. Wollt ihr euch im Anschluss stärken, kehrt im Berggasthof ein. Hier gibt es regionale Küche, die ihr bei schönem Wetter auf der Terrasse genießt – zusammen mit dem einmaligen Ausblick.